Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Studiengebühren für ein Rennboot

Semesterbeiträge Studiengebühren für ein Rennboot

Krökeltische und USB-Sticks: Die Unis im Land sind phantasiereich bei der Verwendung der Semesterbeiträge.

Voriger Artikel
Sander fordert Asse-Untersuchungsausschuss
Nächster Artikel
Kreis Hildesheim lässt Rottweiler töten

Bei der Verwendung der Semesterbeiträge sind die Unis phantasiereich.

Quelle: Martin Steiner (Archivbild)

Wenn Studenten und Professoren an der Fachhochschule (FH) Osnabrück gemeinsam über die Verwendung der Studiengebühren beraten, dann gehen in dem eigens dafür eingerichteten Gremium die Ansichten über Sinn und Unsinn der vorgeschlagenen Investitionen auch einmal auseinander. Unstreitig sind erweiterte Sprachkurse, neue Beamer in den Hörsälen, bessere Ausstattung der Labore. So sieht es das niedersächsische Hochschulgesetz schließlich vor: Die seit 2007 erhobenen Studienbeiträge von 500 Euro pro Semester dürfen allein zur Verbesserung der Lehre ausgegeben werden.

Manchmal allerdings schleichen sich Vorschläge auf die Liste, deren Sinn sich zumindest dann erschließt, wenn man davon ausgeht, dass es dem Studiosus gut gehen muss, damit er eifrig lernt. Manche von ihnen werden gestrichen, wie die neuen Kaffeeautomaten, die die Osnabrücker Studenten auf den Fluren ihrer Hochschule wollten. Einer von ihnen hatte zuvor den „ekeligen Kaffee“ gerügt. Andere Ideen werden durchgewinkt, wie die Tischkicker an der Fakultät für Agrarwissenschaft für jeweils 500 Euro, der Billardtisch im studentischen Gesellschaftsraum oder der 1000 Euro teure Edelstahlgrill für die Außenstelle der FH in Lingen.

Dort hatten sich die Studenten auch ein Boot für ihre Teilnahme am örtlichen Drachenbootrennen gewünscht. 40 000 Euro genehmigte das Gremium für Anschaffung, Wartung und Unterbringung des Rennbootes. Der Ausschuss begründete die Investition unter anderem mit dem „öffentlichkeitswirksamen Aspekt“ des Rennens im Emsland.

Das Geld für die PR-Aktion war schließlich da. Drei Millionen Euro blieben Ende 2008 auf den Bankkonten der FH Osnabrück stehen. Vizepräsident Rainer Kleinholz spricht von „einen gewissen Stau“. Rund sechs Millionen kommen jedes Jahr hinzu. Mit den Resten aus dem Jahr 2008 stehen der Fachhochschule also insgesamt neun Millionen Euro zur Verfügung. Knapp acht Millionen sind verplant, vor allem für neue Lehrstellen, Computer und Laborgeräte.

Ähnliche Probleme beim Geldausgeben habe auch andere Hochschulen im Land. In Hannover schiebt die Leibniz Universität derzeit 14,2 Millionen Euro vor sich her, jährlich kommen zwölf hinzu. Von den rund 26 Millionen Euro auf dem Konto gibt die Uni in diesem Jahr immerhin zwölf wieder aus, unter anderem für neue Bücher und längere Öffnungszeiten der Bibliothek. Von Rennbooten und Edelstahlgrills ist nichts bekannt, der Stau auf dem Konto aber bleibt zunächst bestehen.

Sogar die kleine Hochschule für Bildende Künste (HBK) in Braunschweig wird ihre halbe Million Euro aus Studiengebühren nicht los. Die HBK bezuschusst daher Auslandsreisen ihrer Studenten mit 300 Euro. Die FH Braunschweig-Wolfenbüttel spendiert aus ihren vier Millionen jedem Erstsemester zum Start einen USB-Stick.

Das Wissenschaftsministerium, dem die Universitäten bei der Verwendung der Studiengebühren Rechenschaft ablegen müssen, sieht keinen Grund zum Einschreiten: „Universitäten haben einen hohen Grad an Autonomie“, sagt Sprecher Kurt Neubert. Zu viel Geld nähmen die Unis nicht ein: „500 Euro sind angemessen.“

von Bernhard Remmers und Karl Doeleke

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Niedersachsen

Die Wahl ist entschieden: Donald Trump wird der 45. Präsident der USA. Auf unserer Themenseite finden Sie aktuelle Berichte, Analysen und Hintergrundinformationen zur Wahl des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. mehr

CDU-Parteitag in Hameln

Zum Landesparteitag der niedersächsischen CDU in Hameln haben sich rund 450 Delegierte versammelt, um über einen Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2018 zu entscheiden. Sie nominierten einstimmig Bernd Althusmann.

Die Karikatur des Tages

So sehen unsere Karikaturisten die Welt.