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Trotz der Reformen landet Niedersachsen nur im Mittelfeld

Pisa-Studie Trotz der Reformen landet Niedersachsen nur im Mittelfeld

Vergleichsarbeiten, Zentralabitur, eigenverantwortliche Schule, Sprachförderung und Schulinspektion – an Reformen hat es in den vergangen Jahren wahrlich nicht gemangelt. Dennoch hat Niedersachsen bei der jüngsten Bildungsstudie wieder nur mittelmäßig abgeschnitten.

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Pisa-Studie: Niedersachsen landet im Mittelfeld.

Quelle: dpa

Dabei will Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) im Ländervergleich doch gern unter den ersten Fünf landen, und seine Vorgängerin Elisabeth Heister-Neumann hatte sich vor zwei Jahren auch schon „langfristig einen Platz in der Spitzengruppe“ gewünscht.

Der Erfolg mancher Reformen, wie etwa der verbindliche Sprachtest vor der Einschulung, den Niedersachsen als erstes Bundesland eingeführt hat, werde sich erst in ein paar Jahren zeigen, meint Althusmann. Ähnlich argumentiert seine Bremer Kollegin Renate Jürgens-Pieper (SPD), die früher selbst mal Kultusministerin in Niedersachsen war. Obwohl in Bremen nach dem Pisa-Schock vor zehn Jahren das Schulsystem gründlich umgekrempelt worden sei und die Kinder mehr gefördert würden, hätten die jetzt getesteten Neuntklässler noch weitgehend unter alten Bedingungen gelernt. „Das Bildungssystem ist ein großer, schwerer Tanker“, sagte Jürgens-Pieper gestern. „Wir haben noch eine lange Strecke vor uns.“

Auch Althusmann versprach: „Wir werden alle Anstrengungen unternehmen, um die Qualität unserer Schulen zu verbessern,“ Verbesserungswürdig sei vor allem die Lesekompetenz und die Rechtschreibung. „Das sichere Beherrschen der deutschen Sprache ist besonders wichtig für den Bildungserfolg“, sagte der Minister. Deshalb investiere das Land jährlich sechs Millionen Euro für die Sprachförderung im Kindergarten und 15 Millionen Euro für die verbindlichen Sprachtests bei den Schulanfängern. Auch im Fach Englisch liegen die niedersächsischen Schüler unter dem Bundesdurchschnitt. Es gelte, die Lehreraus- und fortbildung voranzutreiben, sagte Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU).

Kinder aus Akademikerfamilien haben in Niedersachsen eine 5,8 mal so hohe Chance, aufs Gymnasium zu kommen, wie ein Facharbeiterkind. Das soziale Gefälle ist damit ausgeprägter als im Bundesschnitt, wo die Chance für einen Schüler aus der Oberschicht auf einen Gymnasialbesuch nur 4,5 mal größer ist. Die Grünen sprachen gestern von einer „inakzeptablen Abhängigkeit von sozialer Herkunft und Bildungserfolg“.

„Das mehrgliedrige Schulsystem hat ausgedient“, sagte die Landesvorsitzende Stefanie Henneke, „Das Aufteilen der Kinder mag der Spitzenförderung dienen, wie das Abschneiden Bayerns und Baden-Württembergs zeigt, doch in der Breite versagt das System.“ Auch Frauke Heiligenstadt (SPD) betonte, diese Bildungsungerechtigkeit dürfe man nicht länger hinnehmen. Das mittelmäßige Abschneiden sei nicht die Schuld der Lehrer oder Schüler, sondern der schlechten Bedingungen: „Zu große Klassen, drastischer Fachlehrermangel, hoher Unterrichtsausfall und die ständige Verunsicherung der Lehrer tragen einen großen Teil der Schuld.“ Die Linken bemängelten die Kluft zwischen den Leistungsstarken und -schwachen Schülern.

GEW-Landesvorsitzender Eberhard Brandt zweifelt generell an dem Sinn von Vergleichsstudien: „Ein Gymnasium, das von 20 Prozent eines Schülerjahrgangs besucht wird, kann man doch nicht mit einem 40- bis 50-Prozent-Gymnasium messen.“ Schüler in ländlichen Gebieten müssten höhere Chancen auf einen Zugang zum Abitur erhalten. Das Rankingergebnis zeige jedoch auch, dass die meisten Reformen keine Auswirkungen auf die Unterrichtsqualität gehabt hätten.

Saskia Döhner und Eckhard Stengel

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