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War Nordstemmer an SS-Massaker beteiligt?

Razzia War Nordstemmer an SS-Massaker beteiligt?

86 Menschen starben 1944 bei einem SS-Massaker im französischen Ascq. Ein Mann aus Nordstemmen wird nun verdächtigt, daran beteiligt gewesen zu sein. Auf der Suche nach Beweisen kam es nun bei ihm sowie bei zwei anderen Verdächtigen zu Hausdurchsuchungen.

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Ein Gedenkstein erinnert an die Opfer von Ascq.

Quelle: Wikipedia

Nordstemmen. Ein heute 94-jähriger Mann aus der Gemeinde Nordstemmen steht unter dem Verdacht, im Jahr 1944 an einem SS-Massaker in Nordfrankreich beteiligt gewesen zu sein. Dafür sieht die Staatsanwaltschaft Dortmund Anhaltspunkte. Auf der Suche nach Beweisen hat sie jetzt die Wohnung des Mannes durchsucht, ebenso zwei Häuser von weiteren Beschuldigten in Sachsen. Alle drei Männer sollen der Aufklärungsabteilung der 12. SS-Panzerdivison „Hitlerjugend“ angehört haben. Mitglieder dieser Einheit ermordeten in der Nacht vom 1. auf den 2. April 1944 insgesamt 86 Menschen zwischen 15 und 75 Jahren in Ascq, einem Vorort der Stadt Lille.

Die Staatsanwaltschaft Dortmund hatte schon früher gegen mögliche Beteiligte an dem Massenmord ermittelt, das Verfahren allerdings eingestellt, weil die Indizien nicht für eine Anklage ausreichten. Doch vor gut einem Jahr bekam die Dienststelle Post aus Ascq – von einem Überlebenden, der den Ermittlern neue Hinweise lieferte. „Daraufhin haben wir das Verfahren wieder eröffnet“, erklärte Andreas Brendel, bei der Dortmunder Staatsanwaltschaft für NS-Verbrechen zuständig, am Freitag auf Anfrage.

Seine Behörde befragte Zeugen, sichtete Unterlagen in Archiven. Was Brendel und seine Mitarbeiter zusammentrugen, reichte, um jetzt fünf Durchsuchungsbeschlüsse zu erwirken. Fahnder der Landeskriminalämter klingelten bei insgesamt drei Beschuldigten, darunter dem Nordstemmer. Außerdem besuchten die Ermittler zwei mögliche Zeugen, von denen bekannt geworden war, dass sie Material über die SS-Panzerdivision „Hitlerjugend“ archiviert hatten. Die beiden Männer aus Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg gelten laut Brendel nicht als Beschuldigte, obwohl einer von ihnen ebenfalls der Panzerdivision angehörte. Aber offenbar nicht der Aufklärungsabteilung, die für das Massaker verantwortlich ist.

Der Nordstemmer soll laut Staatsanwaltschaft als Unteroffizier in der Aufklärungsabteilung gedient haben. Dritten gegenüber äußerte der 94-Jährige nach Informationen dieser Zeitung, er habe niemanden erschossen und sich aus seiner Sicht nichts vorzuwerfen. Zudem kritisierte er, bei der Bewertung würde der historische Kontext nicht ausreichend berücksichtigt. Unklar ist folglich auch noch, ob tatsächlich Anklage erhoben wird. Käme es dazu, würden die Fälle laut Brendel vor den Gerichten verhandelt, in deren Zuständigkeitsbereich die Beschuldigten wohnen, im Fall des Nordstemmers also in Hildesheim.

In den vergangenen Jahren hatten mehrere Prozesse gegen mutmaßliche NS-Verbrecher für Aufsehen gesorgt. So hatte das Landgericht München den gebürtigen Ukrainer John Demjanjuk im Mai 2011 wegen Beihilfe zum Mord an 28.060 Menschen im Konzentrationslager Sobibor zu fünf Jahren Haft verurteilt. Im vergangenen Juli verurteilte das Landgericht Lüneburg den heute 94 Jahre alten SS-Buchhalter Oskar Gröning zu vier Jahren Haft wegen Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen in Auschwitz. Dagegen legten seine Anwälte und mehrere Nebenkläger Revision ein.

Das Massaker von Ascq

Die SS-Panzerdivision „Hitlerjugend“ galt als eine der fanatischsten Einheiten. Ihre Rekruten waren größtenteils Hitlerjugend-Absolventen des Jahrgangs 1926. Die meisten Offiziere und Unteroffiziere kamen aus der SS-Leibstandarte Adolf Hitler.

Die 20.000 Mann starke Einheit wurde Anfang April 1944 von Belgien in die Normandie verlegt. Am 1. April rollte ein Zug mit drei Kompanien durch Ascq, einen Vorort von Lille, als eine Explosion zwei Waggons entgleisen ließ. Kommandeur Walter Hauck befahl daraufhin, alle Männer zwischen 17 und 50 Jahren aus dem Ort zu verhaften. Bei dem folgenden Massaker kamen 86 Einwohner ums Leben.

Ein französisches Kriegsgericht verurteilte Hauck und acht weitere Verantwortliche nach der deutschen Kapitulation zum Tode. Kurz darauf änderten die Richter das Urteil in langjährige Haftstrafen, Hauck kam 1957 frei. In Ascq erinnern heute ein Museum und ein Denkmal an das Massaker.

Von Tarek Abu Ajamieh

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