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Niedersachsen Warum der Islamvertrag doch eine gute Sache ist
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00:16 10.11.2016
Von Michael B. Berger
„Beitrag zur Integration“: Björn Thümler ist nicht völlig gegen den Islamvertrag. Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

Eigentlich schien die Sache klar. Von dem Abschluss eines Vertrages mit den muslimischen Verbänden, den die rot-grüne Landesregierung unbedingt in dieser Wahlperiode zustande bringen wollte, mochte die von Björn Thümler geführte CDU-Landtagsfraktion zuletzt nichts mehr wissen. Mit den Verträgen sollten Regelungen etwa zum islamischen Religionsunterricht, zur Seelsorge in Krankenhäusern oder zum Moscheebau getroffen werden. Nachdem die CDU weiteren Gesprächen mit den Verbänden Ditib und Schura eine Absage erteilt hatte, legte die Landesregierung das Projekt zunächst auf Eis.

Doch jetzt präsentiert ausgerechnet Björn Thümler ein Buch als Diskussionsbeitrag, in dem sich die meisten Autoren für einen Vertrag mit den Moslemverbänden aussprechen. Auch Thümler selbst zeigt sich moderat: „Während die einen sagen, über Verträge würden Gruppen erst definiert und damit die Integration letztlich behindert, stehe ich aufseiten derjenigen, die Verträge als einen bedeutenden Beitrag zur Integration der hier lebenden Muslime ansehen“, schreibt er als Herausgeber und Protestant. Allerdings, so schränkt er ein, werde angesichts der islamistisch motivierten Terroranschläge in Paris, Brüssel oder anderswo die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt immer wichtiger.

Thümlers Autoren sehen das zum Teil anders. So begrüßt die Islamwissenschaftlerin Irene Schneider den Plan, ein staatliches Abkommen mit den Muslimverbänden zu schließen. Sie findet einen Teil der dafür getroffenen Abmachungen sogar mutig, etwa das Bekenntnis der Verbände, die muslimischen Schülerinnen und Schüler „zur umfassenden Teilnahme“ am Unterricht zu bewegen, also auch zu Sport und Klassenfahrten. Schneider beantwortet auch die Frage, wie „geschlechtergerecht“ der Islam in Niedersachsen sei, anders als die CDU. Tenor: Er sei da besser als sein Ruf.

Der Juraprofessor Stephan Muckel, den schon die Landesregierung als Gutachter bemüht hatte, betrachtet Ditib und Schura als würdige Vertragspartner. Der Historiker Hans-Georg Aschoff erinnert an die kulturkampfartigen Ausein­andersetzungen in Niedersachsen um die katholischen Schulen, die die aktuelle Islamdebatte fast in ein mildes Licht tauchten. Landesbischof Ralf Meister und Prälat Felix Benard werben mit pastoraler Verve für den Vertragsabschluss. Nur CDU-Hausjurist Berend Lindner findet die Vertragspartner Ditib und Schura ungeeignet und bezweifelt, dass die beiden Organisationen überhaupt genug Moslems in Niedersachsen vertreten.

Buch

Björn Thümler (Hg.): „Wofür braucht Niedersachsen einen Vertrag mit muslimischen Verbänden?“

Geest-Verlag, ISBN 978-3-86685-580-9

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