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Niedersachsen Nur noch 53 Flüchtlinge pro Tag
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00:15 07.05.2016
Die Erstaufnahmeeinrichtungen in Niedersachsen stehen leer, weil derzeit wenig Flüchtlinge kommen. Quelle: Rainer Droese
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Hannover.

Die Aufnahme von Flüchtlinge hat zwei Stufen: Direkt nach der Ankunft werden die Menschen in Erstaufnahmeeinrichtungen und unterstützenden Notunterkünften untergebracht. Nachdem sie dort einige Tage oder Wochen verbracht haben, werden sie auf die Kommunen verteilt, wo sie bis zum Abschluss ihres Asylverfahrens wohnen. Durch den hohen Ansturm von Flüchtlingen im vergangenen Herbst und Winter waren vor allem die Erstaufnahmeeinrichtungen überlastet, so dass das Land ständig neue Unterkünfte suchen musste. Insgesamt 32 500 Plätze stehen deshalb jetzt für die Erstaufnahme zur Verfügung, innerhalb kurzer Zeit kann das Land weitere 15 000 Plätze zusätzlich freischaufeln.

Doch derzeit ist das nicht nötig, in den Erstaufnahmeeinrichtungen wohnen aktuell nur 5400 Geflüchtete. Im März waren es noch 9030 Menschen, im Februar über 17 000. Einige Einrichtungen, wie die durch eine Massenschlägerei unter Flüchtlingen in die Schlagzeilen geratene Großunterkunft in Sarstedt, sollen deshalb in absehbarer Zeit geschlossen werden. Andere Notunterkünfte seien bereits aufgegeben worden, berichten Hilfsorganisationen. Doch grundsätzlich will das Land seine Kapazitäten nicht herunterfahren: „Niemand weiß, wie sich die Zugangszahlen entwickeln, weder in den nächsten Wochen und Monaten noch in einem, zwei oder sogar fünf Jahren“, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Deshalb habe auch der Bund die Länder gebeten, den Wohnraum weiter vorzuhalten.

Auch in den Kommunen, die die Geflüchteten von den Erstaufnahmeeinrichtungen übernehmen, hat sich die Lage entspannt. „Derzeit werden pro Woche nur etwa 500 Personen zugewiesen“, sagte Hubert Meyer, Hauptgeschäftsführer des Niedersächsischen Landkreistags (NLT). Erwartet habe man das Fünffache. Die allermeisten Turnhallen und ehemaligen Baumärkte seien daher mittlerweile wieder frei, es gebe allerdings noch Sammelunterkünfte, sagt Meyer. Ziel ist es eigentlich, die Flüchtlinge in Wohnungen unterzubringen.

Die entspannte Lage in den Einrichtungen macht den Hilfsorganisationen aber auch Sorgen: Weil Anfang des Jahres gezielt die ehrenamtlichen Helfer gegen hauptamtliche Mitarbeiter ausgetauscht wurden, um die erwartet dauerhafte Belastung stemmen zu können, gibt es nun für eben diese Hauptamtlichen nicht genug Arbeit. Entlassungen habe es nicht gegeben, sagte Annegret Dobra, Sprecherin des Arbeiter-Samariter-Bunds (ASB). Stattdessen würden Mitarbeiter Urlaub und Überstundenausgleich nehmen. Einige Mitarbeiter werden in anderen Bereichen der Hilfsorganisationen eingesetzt, etwa im Fahrdienst oder in der ambulanten Pflege, sofern die Qualifikation das zulässt.

Auch für Ehrenamtliche ist die Lage entspannter geworden, sie werden aber weiterhin gebraucht. „Es geht jetzt nicht mehr um Basistätigkeiten wie die Essensausgabe. Es geht jetzt zunehmend darum, die Integrationsarbeit zu leisten“, sagt Michael Lukas, Sprecher der Malteser. Für Hausaufgabenhilfe, Sprachkurse oder die Begleitung bei Arztgängen würden immer noch an verschiedenen Orten Helfer gesucht. 

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