Navigation:
HAZ-Shop AboPlus Online-ServiceCenter
Dienstreise

Wenn alle kungeln, fliegt Wulff davon

Von Klaus Wallbaum

Zwei Tage nach der Bundestagswahl, wenn in Berlin um das Personal in der nächsten Regierung gerungen wird, verabschiedet sich Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) von seinen Parteifreunden: Er fliegt in die USA, trifft dort Politiker, Wirtschafts- und Energieexperten.
Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff

© lni

Ist das ein Zeichen dafür, dass Wulff aus dem Rennen ist bei den Personalplänen für die nächste Bundesregierung?

Niedersachsens CDU-Landeschef David McAllister deutete das jetzt so – und löste damit reichlich Spekulationen aus. In niedersächsischen Landtagskreisen wird Wulffs Abwesenheit jedoch eher als geschickter Schachzug verstanden: „Da er im Ausland weilt und an vielen Kungelrunden nicht teilnimmt, kann sich Wulff auch nicht verplappern“, sagt ein Insider. Und wenn Kanzlerin Angela Merkel ihn tatsächlich an ihren Kabinettstisch holen wollte, dann hätte das Zeit bis zum 6. Oktober, wenn Wulff zurück ist. Damit bliebe für Wulff also die Option auf Berlin bestehen.

Der Ministerpräsident gilt seit Jahren als jemand, dessen wahres Ziel in der Bundespolitik liegt. In Hannover hängt viel von Wulffs Zukunft ab. Geht er nach Berlin, so dürfte CDU-Fraktions- und -Landeschef David McAllister sein Nachfolger als Ministerpräsident werden – und ein neues Kabinett aufstellen. Bleibt Wulff in Hannover, so dürfte es zwischen November und Januar eine Verjüngung der Landesregierung nach dem Ausscheiden einiger Minister geben. Ein Problem bliebe: Wulff hätte weiterhin in McAllister eine starke Nummer zwei neben sich, die zwar in Partei und Fraktion die Macht trägt, aber nicht selbst die Regierungsgeschäfte steuern kann. Bisher verbindet beide Männer strikte Loyalität, fast sogar Freundschaft. Aber Freundschaft in der Politik ist selten beständig.

Die Mutmaßung des „Weser-Kurier“, anstelle von Wulff könne McAllister nach Berlin gehen, als nächster CDU-Generalsekretär, entbehrt jeder Grundlage. Ohne Bundestagsmandat wäre jeder Generalsekretär ohne Machtposition – und McAllister hat sich klar auf die Landespolitik ausgerichtet.

Bliebe die Frage, welcher Niedersachse nach der Bundestagswahl in Berlin aufsteigen könnte. Innenminister Uwe Schünemann hat sich zwar in seinem Arbeitsgebiet bundesweit profiliert, doch für eine Nachfolge von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble käme wohl eher jemand in Betracht, der bereits Bundesliga spielt – ein Schwabe wie Volker Kauder oder ein Jurist wie Norbert Röttgen.

Nächster Artikel
Nächster Artikel
Vorheriger Artikel
Voriger Artikel

Meistgelesene Artikel

Anzeige

Politik kompakt

Aus meinem Papierkorb

Michael B. Berger blickt am Ende jeder Woche in seinen (virtuellen) Papierkorb – und erzählt die Nachrichten, die liegen geblieben sind, aber doch Beachtung finden sollten.

Michael B. Berger blickt am Ende jeder Woche in seinen (virtuellen) Papierkorb – und erzählt die Nachrichten, die liegen geblieben sind, aber doch Beachtung finden sollten.

Testen Sie Ihr Wissen

Madsack im Gespräch

Das Madsack-Hauptstadtstudio.

Unsere Redakteure im Hauptstadtbüro führen TV-Interviews mit Menschen, die etwas zu sagen haben.

Angst vor Austritt
Foto: Die Angst vor dem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone belastet die europöäische Währung.

Auch an den Devisenmärkten wächst die Sorge um einen möglichen Euroaustritt Griechenlands. Anleger flüchten in sichere Häfen, der Euro geht auf Talfahrt. Wann und wo diese endet, hängt nicht zuletzt vom Ausgang der Wahlen in Griechenland ab - und vom Erfolg der Brandmauern.

Anzeige


Top