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Zahl der Flüchtlinge wird für Schulen zur Herausforderung

Niedersachsen Zahl der Flüchtlinge wird für Schulen zur Herausforderung

Die steigende Zahl von Flüchtlingen in Niedersachsen bringt  auch für die Schulen im Land zunehmende Belastungen. Wenn am Donnerstag das neue Schuljahr beginnt, werden in den Klassen so viele Kinder ohne Deutschkenntnisse sitzen wie seit Jahren nicht.

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Viele Flüchtlingskinder brauchen erst einmal Hilfe beim Deutsch lernen, bevor mit dem Stoff begonnen werden kann.

Quelle: dpa

Hannover. „Es ist für alle eine große Herausforderung“, sagte Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) am Wochenende. Die Ministerin verwies auf den gewachsenen Bedarf an Sprachlernklassen. Im Jahr 2007 gab es erst 24 solcher Klassen. Im vergangenen Jahr wurden 763 Schüler ohne Deutschkenntnisse in 61 Klassen auf den Schulalltag vorbereitet. Zum neuen Schuljahr steige die Zahl auf rund 80 Klassen mit etwa 1000 Schülern, sagte Heiligenstadt. „Damit haben wir aber wahrscheinlich noch nicht den Höchststand erreicht.“

In den Sprachlernklassen lernen Kinder ohne Deutschkenntnisse erst einmal die Grundzüge der Sprache, bevor sie dann am normalen Unterricht teilnehmen. In der Regel sitzen Schüler aus Jahrgängen der Klassen 5 bis 10 zusammen. Das heißt zum Beispiel, dass eine elfjährige Russin zusammen mit einem 16-jährigen Libanesen Deutsch lernt, bevor beide dann in eine reguläre Klasse kommen. Ziel ist es, die Kinder nach etwa drei Monaten Sprachtraining in den normalen Unterricht zu integrieren.
In der Stadt Hannover gab es im vergangenen Schuljahr elf Sprachlernklassen an allgemeinbildenden Schulen und zehn an berufsbildenden Schulen. Zum neuen Schuljahr starten 18 Sprachlernklassen an allgemeinbildenden Schulen, zwölf im Sekundarbereich I und sechs an Grundschulen. „Es ist immer eine individuelle Herausforderung, wenn ein Flüchtlingskind oder vielleicht sogar mehrere neu in eine Klasse kommen. Dies geschieht ja oft sehr kurzfristig“, sagte Heiligenstadt. Um die Lehrer nicht alleine zu lassen, biete die Landesschulbehörde Förderungen mit Fachberatern an – etwa zur interkulturellen Bildung.

Sprachlernklassen seien ein wichtiger, aber nur ein erster Schritt, sagte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Eberhard Brandt, der HAZ. Alle Pädagogen, nicht nur Deutschlehrer, müssten im Unterricht mehr auf Sprache achten. „Das Komplizierte am Physikunterricht ist für Migranten nicht unbedingt der Stoff, sondern die Sprache, in der er vermittelt wird.“ Helge Feußahrens, Vorsitzender des Landesschülerrats, forderte kleinere Klassen. Nur so könnten Flüchtlingskinder auch individuell gefördert werden.

Alleine im ersten Halbjahr 2014 ist die Zahl der Asylerstanträge in Niedersachsen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 61,3 Prozent gestiegen. Die Behörden registrierten 6697 Erstanträge auf Asyl. Innenminister Boris Pistorius (SPD) räumte ein, es gebe mittlerweile  „ein Finanzierungsproblem in den Kommunen, was die Unterbringung und Betreuung angeht“. Um hier Entlastung zu schaffen, brauche es mehr Unterstützung vom Bund und wesentlich schnellere Asylverfahren, sagte der Minister der HAZ. „Das würde uns allen helfen.“

Klasse, Kurs oder Einzelunterricht

Viele Formen der Hilfe: Jüngere Flüchtlingskinder, die noch nicht schulpflichtig sind, können schon vor der Einschulung Sprachförderunterricht erhalten. In den Schulen gibt es dann für Ältere unterschiedliche Unterstützungsmaßnahmen. Es können eigene Sprachlernklassen eingerichtet werden. Dafür liegt die Mindestgröße bei zehn Schülern. Weil diese Zahl in ländlichen Regionen vielleicht nur schwer zu erreichen ist, können auch mehrere Schulen zusammen eine Sprachlernklasse gründen. In den Sprachlernklassen lernen jeweils zehn bis maximal 16 Kinder intensiv Deutsch, 23 Wochenstunden sind es in den Jahrgängen der Klassen 1 bis 4, in der Sekundarstufe I (Klasse 5 bis 10) erhöht sich die Stundenzahl auf 30. Kommt keine Sprachlernklasse zustande, gibt es Förderkurse für eine Gruppe von mindestens vier Schülern sowie individuellen Förderunterricht von mindestens fünf Wochenstunden für neu eingewanderte Kinder. Das Land investiert in die Sprachförderung rund 60 Millionen Euro jährlich. Ziel ist, dass die Kinder die Sprache nach drei Monaten so gut beherrschen, dass sie dem regulären Unterricht folgen können.

von Saskia Döhner und Michael B. Berger

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