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Beschwerden über Landesschulbehörde halten an

Zu viel Kontrolle und Bürokratie Beschwerden über Landesschulbehörde halten an

Keine Behörde steht so in der Kritik wie die Landesschulbehörde. Beschwerden über überhebliche Mitarbeiter und langwierige Verfahren sind bei jeder Lehrerversammlung Dauerthema. Dabei versteht sich die Landesschulbehörde, 2005 nach der Auflösung der Bezirksregierungen gegründet, doch als Dienstleister. Service werde großgeschrieben, heißt es.

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Das größte Amt des Landes will Dienstleister sein – und stößt doch immer wieder auf große Vorbehalte.

Quelle: dpa

Lüneburg. Viele Eltern, Lehrer und Schulleiter erleben dies anders: Von zu viel Kontrolle und Bürokratie ist die Rede. Die Mitarbeiter der Behörde seien nicht erreichbar, wenn man sie brauche. Und überhaupt regiere dort der „erhobene Zeigefinger“. Statt Beratung auf Augenhöhe gebe es „Aufsicht von oben“. Bei einer Onlinebefragung des Landes gaben knapp 10 000 Lehrer an, dass sie weder bei der Unterrichtsvorbereitung noch bei schwierigen Themen wie Inklusion oder Sprachförderung genügend Unterstützung von der Schulbehörde bekämen.

Ulrich Dempwolf, seit acht Jahren Präsident der Behörde, nimmt solche Kritik ernst. „Jeder Vorwurf muss Anstoß sein, die Qualität unserer Arbeit zu verbessern.“ Es dürfe nicht sein, dass Schulleiter sich beklagten, dass sie tagelang hinter ihren Dezernenten her telefonieren müssten. Wenn Dempwolf neue Mitarbeiter begrüßt, wie unlängst in Lüneburg, dann mahnt er: „Sie müssen erreichbar sein.“ Natürlich sei man im Flächenland Niedersachsen oft unterwegs, aber dann müsse man eben sein Telefon umstellen. „Wir sind eine Dienstleistungsbehörde“, betont Dempwolf. Und wiederholt diesen Satz noch ein paarmal. Fast klingt es wie ein Mantra.

Die Aufgaben von Niedersachsens größter Behörde mit 1000 Mitarbeitern in vier Regionalabteilungen und neun Außenstellen sind vielfältig: Eltern und Schüler unterstützen, die sich über Lehrer oder über Unterrichtsausfall beschweren. Schulen helfen, die ein Gewaltproblem haben oder besonders viele Flüchtlingskinder. Die Behörde ist zuständig für Stellenausschreibungen, Abordnungen, Genehmigung von Sprachlernklassen und Fördergutachten für Kinder mit Handicap. Und für 86 000 Lehrer, 10.000 pädagogische Mitarbeiter und künftig auch noch 1100 Schulsozialarbeiter.

Im Eifer des Gefechts kommt es aber nicht selten vor, dass die Schulbehörde für Dinge kritisiert wird, für die sie nicht verantwortlich ist. Marode Fenster und kaputte Aula-Decken sind Sache der Kommunen. Über die erforderlichen Personalressourcen etwa für den Unterricht von Kindern mit und ohne Handicap entscheidet der Landtag. Für Lehrpläne ist das Kultusministerium zuständig, bei der Unterrichtsvorbereitung des einzelnen Lehrers kann und soll die Schulbehörde gar nicht helfen, weil ihr Verhandlungspartner der Schulleiter ist.

Juristen, Psychologen, Lehrer – die Mitarbeiter in der größten Landesbehörde haben ganz unterschiedliche Berufe. Nur das Ziel sei für alle dasselbe: „Wir wollen die besten Bildungschancen für unsere Kinder“, sagt Dempwolf. Er redet von „Kunden“ und meint damit Lehrer, Schüler und Eltern, aber eigentlich sogar alle Einwohner des Landes, denn vom Großvater bis zur Patentante sei jeder von Schule betroffen. „Eigentlich stehen wir jeden Tag in der Zeitung, aber leider eben nicht nur positiv“, weiß Dempwolf. Dann folgt wieder eine Art Mantra: „Schlechte Laune gibt es bei uns nicht, die ist etwas für das private Umfeld, wir sind nicht schlecht gelaunt, wir sind kundenorientiert, wird sind nicht wie der steife Herr Oberschulrat aus der Feuerzangenbowle. Wir helfen.“

Über ein zentrales Onlineportral können Schulleiter bei der Behörde Psychologen oder andere Berater anfordern. Binnen fünf Tagen sollte ihnen dann ein entsprechender Kontakt vermittelt werden, sagt Wolfgang Deffner, in der Schulbehörde für Unterstützung und Beratung zuständig. Jede vierte Schule in Niedersachsen hat das Portal allerdings noch nie genutzt. Auch die Mitarbeiter, die in den Servicestellen in Hannover, Braunschweig, Osnabrück und Lüneburg sitzen und Anrufe von Bürgern entgegennehmen, versprechen schnelle Hilfe. Spätestens nach drei Tagen soll es eine Antwort geben. Angesichts von Zehntausenden Anrufen im Jahr bleibt das ein ehrgeiziges Ziel.

Dempwolf weiß, dass seine Behörde unter Beobachtung steht. Und er weiß wohl auch, dass es noch ein weiter Weg ist bis zu einer echten Dienstleistungsbehörde. Was sagte unlängst der Vorsitzende des Schulleitungsverbandes, Frank Stöber, bei einer Tagung in Celle? „Die Art der Kommunikation zwischen Behörde und Schulleitungen ist zum Teil erschreckend. Augenhöhe, Perspektive, Transparenz und Wertschätzung: ganz häufig Fehlanzeige.“

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