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Niedersachsen Zu wenig Schutz für Frauen in Flüchtlingsheimen?
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00:16 27.02.2016
Viele Frauen fühlen sich in Flüchtlingsunterkünften nicht sicher.  Quelle: dpa/Symbolfoto
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Hannover

Derzeit sei die Situation an vielen Orten nicht zufriedenstellend, sagte Cornelia Klaus, Vorsitzende des Landesfrauenrates – eines Zusammenschlusses von 60 Verbänden und Gruppen, die insgesamt 2,2 Millionen Frauen vertreten.

„Viele Frauen überlegen sich, ob sie nachts die sanitären Einrichtungen aufsuchen“, sagte Klaus. Es gebe teilweise Fenster in den Türen, die von den Frauen mit Zeitungspapier zugeklebt werden müssten, um Blickschutz zu haben. Weil sich oftmals Türen nicht verriegeln ließen, schliefen Frauen in ihrer Kleidung, um sich besser vor sexuellen Übergriffen zu schützen. Von solchen Erfahrungen in Aufnahmeeinrichtungen berichteten auch weibliche Flüchtlinge, die in Frauenhäuser geflohen seien.

Lob gab es vom Landesfrauenrat für das Schutzkonzept, das Sozialministerium und Innenministerium zum Jahreswechsel auf den Weg gebracht hatten. Dieses sieht unter anderem Rückzugsräume und eine separate Unterbringung von Frauen und Kindern vor. Das Konzept habe einen Bewusstseinswandel erzeugt – allerdings werde es noch nicht vollständig umgesetzt, sagten Klaus und ihre Vorstandskollegin Sybille Mattfeldt-Kloth. Außerdem müsse es mehr Integrationsangebote speziell für Frauen geben.

Ein Sprecher der Aufnahmeeinrichtungen in Niedersachsen wies die Vorwürfe zurück: Das Konzept werde bereits umgesetzt. „In allen Einrichtungen gibt es Räume, die abschließbar sind.“ Sanitärräume seien gut ausgeleuchtet und das Sicherheitspersonal für diese Problemlage geschult. Außerdem gebe es eine Erstaufnahmeeinrichtung nur für allein reisende Flüchtlingsfrauen und Opfer von häuslicher Gewalt. Die Integrationsangebote wiederum richteten sich an alle – Frauen hätten hier die gleichen Rechte wie Männer.

Wie hoch der Andrang von weiblichen Flüchtlingen in den Frauenhäusern im Land ist, konnte das Sozialministerium nicht sagen. Es gebe 41 Einrichtungen mit insgesamt 341 geförderten Plätzen. Wie viele davon belegt seien, werde nicht tagesaktuell erfasst. Man gehe davon aus, dass rund 60 Prozent der Frauen in diesen Einrichtungen einen Migrationshintergrund hätten – wie viele darunter Flüchtlinge seien, ließe sich nicht feststellen.

In einem Positionspapier zu „Frauen und Flucht“ warnt der Landesfrauenrat vor einer Überforderung der ehrenamtlichen Helferinnen. Diese kämen „an ihre Grenzen und machen dies auch deutlich“. Das Land müsse für mehr hauptamtliche Unterstützung sorgen.

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