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Atomendlager

Zweifel am Endlager-Projekt Gorleben

2010 endet das von der ehemaligen rot-grünen Bundesregierung durchgesetzte Moratorium für die Erkundung des Salzstocks Gorleben als mögliches atomares Endlager. Zuletzt kam so viel brisantes Material auf einmal ans Licht, dass das Projekt endgültig zu scheitern droht.

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Es gibt Hinweise darauf, dass der Salzstock keineswegs für die Lagerung von radioaktivem Müll geeignet ist.

Es gibt Hinweise darauf, dass der Salzstock keineswegs für die Lagerung von radioaktivem Müll geeignet ist.

© Roland Magunia/ddp (Archiv)

Deshalb ist es fraglich, ob die Untersuchungen jemals wieder aufgenommen werden - selbst wenn nach der Bundestagswahl eine schwarz-gelbe Koalition an die Macht kommt.

So gibt es mehrere Hinweise darauf, dass der Salzstock keineswegs so geeignet für die Lagerung von radioaktivem Müll ist wie lange behauptet. Vielmehr ziehen Experten mittlerweile Parallelen zum Atommülllager Asse II bei Wolfenbüttel, das wegen unkontrollierten Laugenzuflusses abzusaufen droht. Nach Überzeugung des Kieler Geologen Ulrich Schneider droht dieses Szenario auch für Gorleben. Schneider arbeitete von 1979 bis 1981 für die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) an einem Gorleben-Gutachten und vergleicht den Salzstock mit einem hohlen Zahn, in den Wasser wie Karies eindringe. „Es stellt sich die Frage, wann Gorleben absaufen wird“, sagt er.

Befürchtungen in diese Richtung hatten Experten schon in den 1970er Jahren. Der Schacht sei „technisch nicht in Ordnung“ gewesen und es habe Wasserzuflüsse gegeben, sagt der Geologe Gerd Lüttig - damals maßgeblich an der Suche eines Endlager-Standortes beteiligt. Dennoch habe der damalige niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU) 1977 den Salzstock im Kreis Lüchow-Dannenberg als Endlager benannt, weil er offenbar einen Standort an der Grenze zur DDR haben wollte.

Wenig später befand auch die PTB, eine Vorläuferorganisation des Bundesamts für Strahlenschutz, Gorleben als nicht geeignet für ein Endlager. Dennoch setzte sich die damalige Bundesregierung unter Kanzler Helmut Kohl (CDU) Anfang der 1980er Jahre wohl über diese Bedenken hinweg. Der „Frankfurter Rundschau“ liegen interne Dokumente vor, wonach PTB-Experten ihre Bewertung zur Eignung des Salzstocks auf Druck des Bundeskabinetts umschreiben mussten.

Danach hatten die Experten sich 1983 nach einer ersten Bewertung der 1979 gestarteten Tiefbohrungen in Gorleben dafür ausgesprochen, wegen „Unsicherheiten in Bezug auf Eignungsaussagen“ parallel weitere Standorte zu erkunden. So warnten die Experten, „dass die über den zentralen Bereichen des Salzstocks Gorleben vorkommenden tonigen Sedimente keine solche Mächtigkeit und durchgehende Verbreitung haben, dass sie in der Lage wären, Kontaminationen auf Dauer von der Biosphäre zurückzuhalten“. Dadurch könnten radioaktive Stoffe unter Umständen ins Grundwasser gelangen.

Die PTB-Leitung besprach ihre Bewertung am 5. Mai 1983 mit Experten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe und der Deutschen Gesellschaft für den Bau und Betrieb von Endlagern. Zu dem Treffen erschienen dem Bericht zufolge unerwartet auch Vertreter des Kanzleramtes sowie des Forschungsministeriums. Einen Tag später erschien eine Neufassung des Gutachtens, die das Projekt plötzlich sehr positiv bewertete. Der Bund verzichtete folglich auf die Untersuchung anderer Standorte und beschloss am 13. Juli 1983, nur Gorleben zu erkunden.

Diese Erkundung hat bisher rund 1,5 Milliarden Euro gekostet. Möglicherweise wurde die Summe komplett in den Sand gesetzt. Wie Recherchen der „Süddeutschen Zeitung“ ergeben haben, laufen im Jahr 2015 nämlich an die 100 Verträge mit Grundbesitzern der Region Gorleben aus. Darin traten sie die Rechte am unterirdischen Salz gegen gutes Geld ab und ermöglichten erst die Erkundung. Bald nun gehen diese Salzrechte wieder auf die Eigentümer über - darunter etliche Gegner eines Atommülllagers in der Region. „Danach geht nichts mehr“, sagte Gorleben-Aktivistin Marianne Fritzen dem Blatt.

ddp


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