Niedersachsenredakteur Michael B. Berger blickt am Ende jeder Woche in seinen (virtuellen) Papierkorb – und erzählt die Nachrichten, die liegen geblieben sind, aber doch Beachtung finden sollten.
Nie am Material sparen, lautet sein Sprichwort. Wobei er es etwa so ausspricht: Nie ammmoaterial spoaren. Er trägt einen Texashut, hat einen braunen Schnauzer unterm Geruchszipfel, bereits 200.000 Spax-Schrauben in seinen texanischen Häusern verschraubt und hamburgert genüsslich vor allem im deutschen - wie sagte noch Harald Schmidt - Unterschichtsfernsehen herum.
Keine Frage, es geschehen noch Zeichen und Wunder. Diese Woche geschahen indes merkwürdige Dinge. In Kempten ist am Montag ein Schaufelbagger umgekippt. Nichts Ungewöhnliches in Bayern, wo mancher dank der Alpen schnell auf die schiefe Ebene gelangt.
Dass Horst Seehofer „einen auf dicke Hose“ macht, wie es sein Ministerpräsidentenkollege David McAllister formulieren könnte, haben wir geahnt. Jetzt haben wir es schriftlich: 17,1 Liter Super auf 100 Kilometer innerstädtisch, 278 Kilometer Höchstgeschwindigkeit bei 407 PS und 278 Gramm CO2-Ausstoß.
„Er ist ein Traum von einem Kerl. Groß, muskulös, schlank, langbeinig, interessant ergraut an den Schläfen, vornehm gespitzte Lippen – und dann diese markante Nase.“ Die Rede ist hier nicht von Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister, der gewiss zum Club der Besseraussehenden gehört, sondern von „Madiba“. Einem Spitzmaulnashorn, welches der Zoo Hannover derart lyrisch besingt.
So weit ist es schon gekommen. Die Deutsche Presseagentur verschickt Betroffenheitsreportagen. Schluss mit Lustig in Holland. „Dicke Luft im Coffeeshop“ titelt die dpa: „Hollands Hasch-Cafés schließen für Deutsche.“
Ach, selbst die Schlagzeilen des Hauses der Wissenschaft in Braunschweig erscheinen politisch anzüglich, seitdem mutwillige Piraten die FDP zum Kentern bringen wollen. „Wenn Philipp nicht mehr zappeln darf“, heißt die Ankündigung des nächsten Wissenschaftsdialogs.
Da hat unser Bundesaußen-Guido aber genau den richtigen Ton getroffen. Von einer „flagranten Verletzung“ internationaler Rechte sprach der Minister, als er den verpatzten Raketenstart für Kwangmyongsong-3 (koreanisch „Heller Stern“) geißelte. In flagranti hat es die Rakete getroffen.
Da hat er aber mal wieder kräftig die Backen aufgeblasen und es den Schweizern gegeben, unser Siggi aus Goslar. Was die können, können wir schon lange! Wenn die Eidgenossen schon für deutsche Finanzbeamte Haftbefehle ausstellen, dann sollten die Deutschen doch die Generalbundesanwaltschaft einschalten und Schweizer Kreditinstitute belangen.
Michael B. Berger blickt am Ende jeder Woche in seinen (virtuellen) Papierkorb – und erzählt die Nachrichten, die liegen geblieben sind, aber doch Beachtung finden sollten.
Unsere Redakteure im Hauptstadtbüro führen TV-Interviews mit Menschen, die etwas zu sagen haben.
Auch an den Devisenmärkten wächst die Sorge um einen möglichen Euroaustritt Griechenlands. Anleger flüchten in sichere Häfen, der Euro geht auf Talfahrt. Wann und wo diese endet, hängt nicht zuletzt vom Ausgang der Wahlen in Griechenland ab - und vom Erfolg der Brandmauern.