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Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Ach, Herr, der Sommer ist so heiß….
Nachrichten Politik Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Ach, Herr, der Sommer ist so heiß….
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01:15 30.07.2018

Waahnsinn. „Heute nacht glüht sogar der Mond“, titelte gestern die „BILD“. Und es wird noch heißer, immer heißer. Adler oder Bussard möchte man sein in diesen Tagen, in denen ein geschätzter Kollege von der Deutschen Presseagentur titelt: „Niedersachsens Segelflieger im Aufwind: Hitze beschert Thermik satt.“ Denn von der Thermik, deren Kraft von unten kommt, vom überhitzten Mutterboden sozusagen, hat die niedersächsische Tiefebene derzeit so viel, dass die Segelflieger sogar aus dem Süden kommen, um sich im Aufwind des Nordens wie ein Adler kreisend in die Höhe zu schrauben. Immer weiter nach oben, wo es herrlich kühl sein soll. Ach Herr, der Sommer ist so groß, leg Deine Schatten auf die Sonnenuhren und lass die Winde los….

Das ist übrigens von Rilke, den neben „Hamlet“ der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder ganz gut drauf hatte, wenn die Erinnerung uns nicht täuscht. Auf Schröder kommen wir nur, weil der sich diese Woche den Herrn Bundesaußenminister Heiko Maas vorgeknöpft hat. Maas, der immer ein bißchen wirkt wie der führende Herrenausstatter einer saarländischen Mittelstadt, hatte in der erwas nervigen Özil-Debatte den Klassenkämpfer gegeben und gesagt, er glaube  „ nicht, dass der Fall eines in England lebenden und arbeitenden Multimillionärs Auskunft gibt über die Integrationsfähigkeit in Deutschland“. Beim Stichwort „Multimillionär“ und im Ausland lebend müssen beim alten Internationalisten Schröder die (ungefärbten) Haare zu Berge gestanden haben. Unerträglich, schnaubte der Altkanzler. Und wir geben ihm recht.

Aber wir wollen nicht meckern. Alle Ausfälle der vergangenen Woche werden der Hitze geschuldet sein, die die Hirne der Norddeutschen langsam aufweicht wie die Konventionen. Aber sie hat auch Gutes, lässt Schwerter zu Pflugscharen werden, wenn die Bochumer Polizei dazu übergeht, städtische Rabatten mit Wasserwerfern zu bewässern. Keine Angst, es bleibt im Stadtgrün noch einiges über. Denn wenn auch ein Wasserwerfer imstande sei, bei voller Kraft ein ganzes Auto wegzuschieben, so sei er in Bochum derzeit nur „wie eine Dusche eingestellt“, berichtet die dpa. Und das bei Demonstrationen so beliebte Chlorgas kommt derzeit wohl auch nicht zum Einsatz...

Bei dieser Hitze ist es auch kein Wunder, dass der hannoversche Zoo an diesem Sonnabend den „Tag des Tigers“ feiert, bei dem die großen Tiere trotz ihres Feiertages im Gehege bleiben, während sich kleine Gäste am Schminktisch laut Pressemitteilung  „in kleine Tiger“ verwandeln können. Trotz der irren Temperaturen  hat laut Mitteilung der Landesforsten im Landeswald die Paarungszeit der Rehe eingesetzt, die man auch daran bemerken kann, dass das sonst eher nachtaktive Tier sich auch am Tag zeige. „Das Paarungsverhalten des Rehwildes zeichnet sich durch ein stundenlanges Treiben der weiblichen Tiere durch den männlichen Rehbock aus, bis schließlich die Ricke oder das Schmalreh dem männlichen Charme erliegen“, schreiben die Landesforsten. Nunja.  Es ist so heiß. Nachts glüht nicht nur der Mond...

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