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Die Giganten – oben hui und unten pfui

Aus meinem Papierkorb Die Giganten – oben hui und unten pfui

Michael B. Berger mit einem satirischen Rückblick auf die Woche. Heute über Giganten, Trauerfeiern, ein fehlendes auf einem markanten Standbild, erfolgreiche Tipps zur Marder-Vergrämung und Glücksgefühle.

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Es waren nicht gerade attraktive Wesen. Unten pfui und oben hui. Sie nannten sich Giganten, hatten unten keine Beine, sondern anakondamäßige Schlangenkörper, oben in erster Linie Muckis und den obligatorischen Waschbrettbauch. In jedem Fall galten sie in der Antike als Kräfte der Unterwelt, die den Olympiern, den Göttern des Himmels, ziemlich übel zusetzen. So hat es schon erstaunt, dass der Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz, den man einst den Scholzomaten nannte, den größten Sohn seiner Stadt und allseits verehrten Olympier Helmut Schmidt als einen „Giganten“ bezeichnete. Auch die protzige, den Hamburgern aber durchaus vertraute „Gigantomanie“ war dem Altkanzler völlig fremd.

Aber es bestätigt sich immer wieder: Bei keinen Anlässen wird so viel gelogen wie bei Trauerfeiern oder hohen Geburtstagen, weshalb katholische Theologen es vorziehen, bei manchen Beerdigungen statt über den Verstorbenen lieber über die Auferstehung zu reden. Da kann man halt im Allgemeinen wabern. In jedem Fall empfiehlt sich vor Rückgriff auf antike Figuren ein Blick ins Lexikon, sofern der eigene Bildungsschatz eher auf Basisniveau lagert. Das scheint auch bei der Göttinger Künstlerin der Fall zu sein, die jetzt im Standbild des Ernst-August ein „X“ nachreichen muss, weil der hannoversche Monarch eben ein nicht nur ein XXL-Typ war, sondern im Jahre MDCCCXXXVII herrschte, was auch in Göttingen schlicht 1837 bedeutet.

Aber, liebe Freunde des klassischen Abgesangs, der Verfall des Abendlandes zeigt sich nicht nur in der Geschichtsvergessenheit der zeitgenössischen Künstler. Er ist ebenso verbreitet wie das Marderunwesen auf niedersächsischen Dachböden oder Friedhofskapellen. Einen besonders schönen Fall entdeckten wir jetzt auf ndr.de, wo der Mitarbeiter einer Friedhofskapelle berichtete, wie er schließlich den Marder vertrieb. Wie? Nun, Lebendfallen versagten. Auch ausgelegte Klosteine oder Hundehaare blieben ohne Wirkung. Aber ein ständig laufendes Radio mit Rockmusik verschreckte das sensible Tier. Wir empfehlen noch den Sound der Scorpions oder die albernen Wetterberichte bei „ndr-info“. Die wecken garantiert Fluchtinstinkte.

Nicht auf der Flucht ist der schwedische Biologe Urpo Taskinen, über den die Deutsche Presseagentur diese Woche aus Oldenburg berichte; „Schwede reist per Dreirad von der Arktis nach Paris.“ Den ungewöhnlichen Ritt auf einem rot-gelben Dreirad unternehme er nur, um auf die Weltklimakonferenz in Paris aufmerksam zu machen. Da kann ihn sogar niedersächsischer Nieselregen nicht schrecken, zumal unser entzückendes Bundesland auf dem sogenannten „Glücksatlas“ ganz oben liegt. „Glück auf!“ Ganz, ganz oben liegt übrigens Schleswig-Holstein, das über einen Ministerpräsidenten verfügt, der die strahlendste Glatze Deutschlands haben dürfte. „Gigantisch“ hätte sie der Hamburger Scholz wohl genannt.

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