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Die zwei Naturen des EU-Kommissars

Papierkorb Die zwei Naturen des EU-Kommissars

Michael B. Berger mit 
einem satirischen Rückblick auf die Woche – diesmal mit einem digitalen EU-Kommissar, leichter Sprache im Justizministerium und Piraten im SM-Studio.

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Hannover. Nicht happy sei er, aber glücklich, hat Günther Oettinger, der alte Sprachfuchs, zu seiner Ernennung als neuer Digitalkommissar der EU gesagt. Und wir lassen dieses „nicht happy, aber glücklich“ noch einmal nachschwingen, erinnert es doch an die Zwei-Naturen-Lehre der Kirchenväter. Vermutungen, dass Oettinger, der in Brüssel für sein legendäres Englisch bekannt ist, nun daran geht, die englische Sprache im Internet zu deregulieren, wurden indes dementiert. Oettinger sagte, er sei glücklich, weil man sich in einer Revolution befinde. „Die digitale Welt ändert eigentlich alles.“ Insofern dürfte auch das Schwäbische kaum noch Bestand haben, wenn es denn nicht die Unesco zum schützenswerten Kulturgut erklären würde. Wovor uns der Herr bewahren möge.

Um Oettinger zu verstehen, müsste es ein Heftchen in „leichter Sprache“ geben, in der uns das niedersächsische Justizministerium jetzt das Erbrecht erklärt. Doch hören Sie selbst, wie erfrischend klar sich das Ministerium äußert: „In den Texten stehen immer nur die Wörter für Männer. Zum Beispiel: Im Text steht nur Notar. Dann kann man den Text leichter lesen. Aber auch Frauen sind gemeint. Zum Beispiel: Das Wort Notar steht im Text. Der Notar kann ein Mann sein. Aber ein Notar kann auch eine Frau sein. Die Frau heißt dann: Notarin.“ Ist das nicht wunderbar? So klar, bündig und barrierefrei geht das grün-geführte Landesjustizministerium zur Sache. Endlich sagt es einer. Texte werden leichter lesbar, wenn der/die/das Notarin mitgemeint ist. Schöne Grüße an das MSFFGI, wie das Ministerium für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration in Kurzform einmal hieß. Schön auch, wie das Justizministerium eine Altersversorgung beschreibt, von der die meisten zu wenig haben. Zum Thema Rente heißt es nämlich: „Eine Person hat gearbeitet. Dafür hat die Person Geld bekommen. Aber die Person hat auch eine bestimmte Summe Geld bezahlt. Dieses Geld hat die Person an die Rentenversicherung bezahlt. Darum bezahlt die Rentenversicherung der Person später monatlich Geld. Das Geld heißt: Rente.“ Das Geld heißt Rente. Dieser Satz hat etwas von jener lyrischen Leichtigkeit wie die Feststellung von Christian Morgenstern: „Die Möwen sehen alle aus, als ob sie Emma hießen.“

Die Geschichte geht oft grausam verschlungene Wege. Dass sich die Piraten ein Hildesheimer Sado-Maso-Studio zur Vorbereitung auf die Kommunalwahl ausgesucht haben, ist auch kein Zufall. Die Kommunalpolitik ist grausam. Die in Hildesheim noch grausamer. Wie jetzt den Übergang finden von den Praktiken SM-geübter Kommunalpolitiker zum niedersächsischen Ministerpräsidenten? Die Klammer heißt: Hildesheim. Im Landkreis Hildesheim hat MP Weil jetzt die Landstraße 401 zwischen den Dörfern Göddringen und Hotteln für den Verkehr freigegeben. Keine Straße ist zu klein, um vom MP eingeweiht zu werden. Ab zwei Spuren kommt der Verkehrsminister. „Ein großer Tag für Hotteln“, notierte der lokale Anzeiger. In der Tat.

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