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Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Jedem sein persönliches Ferkel
Nachrichten Politik Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Jedem sein persönliches Ferkel
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00:15 23.05.2016
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Sage doch keiner, wir entwickelten uns zu einer zunehmend gefühllosen Gesellschaft. Das Gegenteil ist der Fall. So kümmern sich neuerdings immer mehr Fleischesser darum, woher das Kotelett auf ihrem Teller stammt. Immer mehr Bauernhöfe in Niedersachsen böten deshalb das sogenannte Nutztierleasing an, berichtete jüngst die Deutsche Presse-Agentur. Dieses Leasing besteht darin, dass Kunden sich ihr „persönliches“ Ferkel, Lamm, Zicklein oder Kalb aussuchen und gegen Kost und Logis beim Landwirt ihres Vertrauens großziehen lassen. Die Halter, schwärmt die Presse-Agentur, könnten so das artgerechte Aufwachsen des Jungtieres verfolgen und bekämen am Ende das nach individuellen Geschmackswünschen zusammengestellte Fleisch- und Wurstpaket. Die Tiere blieben übrigens namenlos und bekämen nur Nummern, weil man eine zu persönliche Bindung zwischen dem Kotelett und dem Mann hinter dem Teller vermeiden wolle. Wer beißt auch schon gern in eine Mettwurst, die Kurti heißt? Oder Rudolf. Oder Siggi.

Das ist jetzt eine besonders grobschlächtige Überleitung zur Feinfühligkeit, mit der führende Sozialdemokraten derzeit mit ihrer Führungsfigur in Berlin umgehen. Genau, von Sigmar Gabriel ist die Rede, der, glaubt man Helmut Markwort („Focus“-Herausgeber, Stammtischler, Haarprachtler und Krawattenmann des Jahres 1969, Anm. d. Red.) einem Putsch nur deshalb entgangen ist, weil Markwort vergangene Woche im Bayerischen Rundfunk prophezeit hat, dass Gabriel auf einer Präsidiumssitzung abgesetzt werde. Dumm nur, dass die Sitzung gar nicht stattfand. Aber was nicht war, kann ja noch werden. So ist Gabriel munter im Amt, während wenig führende und wenig mitfühlende Sozialdemokraten betonen, sie hätten einen Vorsitzenden, einen Besseren fänd’ man nicht. So loben derzeit alle ihren Gabriel über den grünen Klee, zumal noch gar nicht klar ist, wer wen wann zur Schlachtbank führt, die bestimmt von einem genossenschaftlich organisierten Betrieb gemanagt wird.

Apropos Schlachtbank: Im ewigen Rennen um die Frage, ob es in Niedersachsen mehr Einwohner als Schweine gibt, haben trotz sinkender Zahlen der Nutztierhalter wieder einmal die Rüsseltiere das Näschen vorn. So gibt es nach jüngsten Berechnungen etwa 8,83 Millionen Schweine in Niedersachsen sowie gut acht Millionen eher dem Homo sapiens ähnelnde Bewohner. Ob das Verhältnis irgendwann getreu den Lehren des Schweinezyklus kippt, ist eine offene Frage, zumal die Marktpreise nicht derart gut sind, dass nach Zeiten des Überangebotes bald wieder eine Schweine-Mangel-Phase eintreten könnte. Niedersachsen, so viel steht fest, bleibt Schweine-Land Nummer eins. In jeder Hinsicht.

Der Übergang zu Despoten wie Kim Jong Un oder Recep Tayipp Erdogan ist jetzt nicht ohne Reiz. Da wir hier aber keine Schmähgedichte verfassen, belassen wir es bei dem Hinweis, dass Kim jetzt einen Anzug trägt. Wie Recep.     

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