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Von Bademeistern und Rauschzuständen

Aus meinem Papierkorb Von Bademeistern und Rauschzuständen

Niedersachsenredakteur Michael B. Berger blickt am Ende jeder Woche in seinen (virtuellen) Papierkorb – und erzählt die Nachrichten, die liegen geblieben sind, aber doch Beachtung finden sollten. Heute: Von Bademeistern und Rauschzuständen.

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Quelle: HAZ

Na, das wird ja spaßig. „Wir verlassen die EU, nicht Europa“, hat Großbritanniens Premierministerin Theresa May diese Woche verkündet. Eine Selbstverständlichkeit, denn die Insel wird ja kaum wegschwimmen können, obwohl die Strömungen im Ärmelkanal nicht ohne sein sollen, wie diejenigen versichern, die die Meeresenge einmal kraulend durchquert haben. Aber der Brexit scheint genauso widersinnig zu sein wie das Durchschwimmen des Kanals, zumal es komfortable Fährverbindungen gibt. In diese apokalyptische Gesamtstimmung scheint auch die Meldung zu passen, dass Deutschland bald die Bademeister ausgehen. Bademeister-  gar nicht so einfacher Beruf. Er erfordert Qualitäten als Animateur, Aufseher, Techniker, Lebensretter und Menschenfänger. Also alles das, was die SPD derzeit von Martin Schultz verlangt.

Jetzt der Übergang zu den niedersächsischen Metallarbeitgeberverbänden ist gewagt aber nicht ohne Reiz, weil die Kapitalisten heutzutage sogar Wladimir Illjitsch Lenin zitieren, wenn  sie die Ablehnung der Einführung eines neuen Feiertages begründen wollen. Christian Budde, munterer Sprecher des Verbandes bezeichnete den zusätzlichen Feiertag als „Opium fürs Volk“. Vermutlich hat er an den Vatertag gedacht, an dem junge Männer derart rauschhafte Zustände annehmen können, dass der Gang junger Frauen durch eine Vatertagshorde schon einem Himmelfahrtskommando gleichkommen kann. Doch ich schweife ab. Lenin hat diesen Satz jedenfalls von Karl Marx, der vom „Opium des Volkes sprach“ und damit die Religion meinte: „Sie ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist.“ Wow. Das hätte Martin Schultz nicht schöner formulieren können.

Sie merken schon, dass der SPD-Kanzlerkandidat der running gag der Kolumne ist. Doch Schluss jetzt: Kommen wir zu Cornelia Rundt, Niedersachsens rührige Sozialministerin. Sie teilt mit dem SPD-Bundesvorsitzenden das sonnige Gemüt, wie sich etwa am aktuellen Terminkalender der Landesregierung ablesen lässt. Dort sind für kommenden Mittwoch nur zwei Termine der Ministerin eingetragen, die sowohl von Spannkraft als auch von Lebensfreude zeugen, weshalb ich sie hier verwursten muss. So beginnt am Mittwoch Rundts Tagesprogramm am frühen Morgen mit dem „1. Parlamentarischen Fastenfrühstück“ beim hannoverschen Caritasverband und endet beim „Parlamentarischen Abend des Clubs der bekennenden Fleisch- und Wurstesser“. So spielt halt eins ins andere.

Womit wir bei Jan Böhmermann wären, einem preisgekrönten Fernsehclown. Böhmermann machte diese Woche in Braunschweig und Wolfsburg Schlagzeilen, weil er über die Langweiligkeit beider Städte lästerte. Nunja, Narrenmund tut Wahrheit kund. Dabei kommt Böhmermann selbst aus einer Stadt, zu der sich Hahn und Esel zuraunten: „Komm, lass uns nach Bremen ziehen - etwas Besseres als den Tod findest Du überall.“

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