Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Vom Eingang in die Landesgeschichte
Nachrichten Politik Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Vom Eingang in die Landesgeschichte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:47 14.12.2018
Michael B. Berger Quelle: HAZ
Hannover

Das niedersächsische Landeskabinett kann sich seit dieser Woche rühmen, einen Preisträger unter den ihren zu haben. Wissenschaftsminister Björn Thümler bekam vom Steuerzahlerbund ein „Fass ohne Boden“ überreicht, weil er ein Museum, das einst in einer gottverlassenen Gegend um ein paar alte Speere gebaut worden ist, in Landeshand übernahm – und so den Steuerzahler um ein paar museale Schätze bereicherte.

Oder entreicherte, wie der Steuerzahlerbund meinte. Vielleicht geht ja auch Thümler wie sein Kollege aus dem Finanzressort, Reinhold Hilbers, dereinst in die Landesgeschichte ein. Will er doch das Land noch um ein Schloss bereichern, das einst ein hannoverscher König auf einem abrutschenden Hang platzierte und seiner Frau Mary als Sommerresidenz vermachte. Bewohnt hat es dann der Hausmeister, weil die Preußen den hannoverschen König vertrieben. So grausam kann Geschichte sein.

Das Schloss bereicherte diese Woche natürlich auch die Debatten im niedersächsischen Landtag, die sonst eher von den Mühen der Ebene geprägt sind. Der frühere Umweltminister Stefan Wenzel tat sich als Adelsexperte der Grünen hervor und stichelte über das Welfenhaus und den als „Pinkelprinz“ in Hannover und Umgebung bekannten Clanchef. Er frage sich, sagte Wenzel, wie viel Vermögen dieser „verlebt und versoffen habe“ - ein Stabreim, dessen garstiger Inhalt sich vom Wohllaut der Worte merklich abhob. Aber vielleicht avanciert ja die Marienburg zum neuen Gästehaus der Landesregierung – unter der Regentschaft des Preisträgers und Ministers Björn I.

Chancen, in die Landesgeschichte einzugehen, werden auch dem Umweltminister Olaf Lies nachgesagt, der zweifellos zur Kategorie der Besseraussehenden in der Landespolitik gerechnet werden kann, obwohl wir seit Kindestagen gelernt haben, dass allein das Innere zähle. Ach was. Altes Wissen. So wird man nie Chefstewardess. Aber zurück zu Lies. Der musste sich diese Woche von der grünen Fraktionschefin Anja Piel anhören: „Ein Vollbart macht noch keinen Grünen.“ Rot wurde Piel bei diesem Ausspruch, der allein das Äußere gelten lässt, übrigens nicht.

Jetzt den Übergang zu Annegret Kramp-Karrenbauer zu finden, ist nicht ganz ohne, denn sie hat keinen Vollbart, pflegt keine derbe Aussprache, beleidigt keine königlichen Hoheiten, sondern kommt eher gelassen daher. Auf ihren vielen Bewerbungstouren wurde sie (meist von älteren Herren) gefragt, ob sie denn auch mit den Mächtigen „auf Augenhöhe“ reden können. Mit Putin tue sie es bereits, sagte sie – und warf einen schelmischen Blick auf den etwas länglichen Friedrich Merz. Bingo has been called.Die schönste Überschrift der Woche verdanken wir der FDP-Europaabgeordnete Gesine Meißner, die eine Pressemitteilung so übertitelte: „Seltene Krankheiten europäisch bekämpfen“. Seltene Krankheiten, führt Meißner aus, seien wirklich selten, weil nur 8000 Menschen von etwa 30 Millionen Menschen in der EU an einer solchen Krankheit litten, gottlob, denn sie sind meist ziemlich grausam. „Europäisch bekämpfen“ heißt für Meißner übrigens schlicht: grenzübergreifend. So geht‘s auch.

Von Michael B. Berger

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Podcast Glosse: Aus meinem Papierkorb - Von Welfen und Wölfen

Niedersachsenredakteur Michael B. Berger blickt am Ende jeder Woche in seinen Papierkorb – und erzählt die Nachrichten, die liegen geblieben sind, aber doch Beachtung finden sollten. Heute: Von Welfen und Wölfen

07.12.2018

Niedersachsenredakteur Michael B. Berger blickt am Ende jeder Woche in seinen Papierkorb – und erzählt die Nachrichten, die liegen geblieben sind, aber doch Beachtung finden sollten. Heute: Von Narreteien und Narrativen.

23.11.2018

Niedersachsenredakteur Michael B. Berger blickt am Ende jeder Woche in seinen Papierkorb – und erzählt die Nachrichten, die liegen geblieben sind, aber doch Beachtung finden sollten. Heute: Von Watschenbäumen und Unisextoiletten.

16.11.2018