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Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Vom Pharao Horst
Nachrichten Politik Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Vom Pharao Horst
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16:19 14.09.2018
Michael B. Berger Quelle: HAZ
Hannover

 

Vom guten Spötter Kurt Tucholsky stammt die Mär, dass die Menschen fromm würden, wenn sie alt und weise werden und hinten nicht mehr hochkämen. Nun ist Kurt Tucholsky weder besonders alt geworden noch fromm. Aber es fällt schon auf, dass Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil, obwohl er keineswegs frömmelt und zuweilen noch Marathon läuft, wie Opa gerne mal biblische Geschichten erzählt. Diese Woche griff der Politiker auf einem Empfang der katholischen Kirche auf eine Geschichte zurück, die dem Matthäus-Evangelium entstammt. Nach ihr haben sich Maria und Josef kurz nach Ägypten „weggemacht“, um vor Herodes zu flüchten, der sich einen ordentlichen Ruf als Kinderschlächter erworben hatte. „Nur gut, dass der Pharao nicht Horst Seehofer war“, sagte Weil – und der Saal lachte. Aber bei allem, was recht ist: In der geradezu göttlichen Pharaonen-Klasse sollte man den Bayern nicht ansiedeln. Und nach Seehofers absehbaren politischen Abgang wird die CSU-Zentrale gewiss nicht zur Pyramide veredelt, in der dereinst die Überreste der CSU-Oberen einbalsamiert werden...

Liebe Papierkorbfreunde, Sie merken: Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich. Und nicht alles, was schief hängt, ist ein Bild. Aber mitunter entlaufen uns die Redensarten wie scheue Rehe im Morgenlicht nach der Umstellung von der Sommer- auf die Winterzeit. Weil würdigte bei dem Empfang vor würdigen Leuten auch die Resilienz, die gute Katholiken gegenüber politischen Extremen an den Tag legen können und sagte, Kirche und Staat zögen oft an einem Strick. Obacht: Das ist Henkersjargon. So möchten wir doch an den kleinen, feinen Unterschied zwischen Strang und Strick erinnern. Merke: Für der Glocke guten Klang, sorgt neben dem Klöppel stets der Strang. Strick und Strang sind eben wie Yin und Yang.

Yin und Yang ist, soviel sei noch verraten, so eine Art Vorform der GroKo, wie sie in Niedersachsen in geradezu vollkommener Harmonie zur Aufführung gebracht wird. Und wenn in Hannover nach alter chinesischer Überlieferung der höchste Yin „kalt“ bedeutet und der höchste Yang „heiß“, dann ensteht nach alter Überlieferung aus beiden ein wunderbares Amalgam, weil sich die Gegensätze auf das Vortrefflichste anziehen. Das kann man jetzt auch im niedersächsischen Landtag bestaunen, in dem sich diese Woche Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies neben seine Kollegin Otte-Kinast gesetzt hatte, um zu demonstrieren, wie gut man sich nach dem jüngsten Streit denn wieder verstehe. Es fehlte nicht viel, dass die beiden Händchen gehalten hätten. Wenn die Landtagspräsidentin nicht eingeschritten wäre...

Auch mit geradezu liebevollen Blicken von den Regierungsparteien wird jetzt Finanzminister Reinhold Hilbers bedacht, der vom Sound her durchaus an einer Meisterschaft für Hirschrufer teilnehmen könnte. Hilbers rühmte sich derart hemmungslos selbst für die immer neuen Kapitel, die er „in der finanzpolitischen Erfolgsstory der Landesregierung“ aufschlage, dass sich der Saal auch ohne Weihrauchschwaden verdunkelte. Für das Landesarchiv wird er schon unter dem Stichwort „Der große Gatsby“ gehandelt.

Von Michael B. Berger

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