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Vom Zeugungswahn zur Häufchenbildung

Aus meinem Papierkorb Vom Zeugungswahn zur Häufchenbildung

Niedersachsenredakteur Michael B. Berger blickt am Ende jeder Woche in seinen (virtuellen) Papierkorb – und erzählt die Nachrichten, die liegen geblieben sind, aber doch Beachtung finden sollten. Heute: Vom Zeugungswahn zur Häufchenbildung

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Endlich einmal etwas Lebensbejahendes. „Zeugt fünf Kinder, steigt in die besten Autos, wohnt in den schönsten Häusern“, hat der kranke Mann am Bosporus, Recep Tayyip Erdogan, seinen Anhängern in Westeuropa zugerufen. Und jetzt erst verstehen wir, warum Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt in dieser Woche zu einer Art flexible response gegriffen hat. Die rührige Rundt ließ sich im Gästehaus der Landesregierung als Ehrenpatentante feiern und im Kreise von dreißig Drillingskindern ablichten. Insgesamt habe Rundt, berichtet das Sozialministerium, bereits für 891 Drillinge und 28 Vierlinge in Niedersachsen die Ehrenpatenschaft übernommen. Das ist die Antwort lower saxonys auf den zeugungswütigen Diktator in Ankara: Mehrlingsgeburten en masse, Vorsprung durch Technik. Deshalb jetzt mein Aufruf: Niedersachsen, zeugt Drillinge, Vierlinge. Fünflinge. Und ab einem Sechser übernimmt gewiss der MP die Familie.


Nach diesem für unsere Verhältnisse relativ meinungsstarken Eröffnungsteil wollen wir nun zu einem „bildstarken Pressegespräch“ überleiten, zu dem der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter am kommenden Mittwoch nach Hannover einladen. „Das Szenario“, heißt es fettgedruckt: „Lebende Kühe, unsere Kunstkühe Faironika, 2 symbolische Berge, Strohballen und vor allem Milchviehhalter“. O, was für eine wunderbare Mischung. Lebende Kühe, Kunstkühe, symbolische Berge und mittendrin leibhaftige Milchviehhalter, die die „Spuren der Milchkrise“ nachzeichnen wollen. Medien der Welt, schaut auf diese Stadt, schaut auf Hannover, auf den symbolischen Berg neben den Strohballen vor dem Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz zu Hannover, Anno 2017. Seht die Zeichen an der Wand und die Spuren im Kakao.

Dieser Text ist übrigens noch nicht von einem Schreibroboter verfasst, der in einigen Jahren gewiss auch die Kolumnenproduktion übernehmen wird und schon heute in der Lage sein soll, Spielberichte von Fußball- oder anderen Großereignissen wie Karnevalsumzügen, Schützen- oder Feuerwehrfesten zu übernehmen. Die New York Times soll jüngst einen Test gemacht haben und einen Robotertext unter sieben andere geschummelt haben, von dem die Leser später sagten, er klinge wie Shakespeare. Dies kann man von dieser niedersächsisch-niederträchtigen Kolumne nun wahrlich nicht behaupten.

Apropos Niedertracht: Die Stadt Goslar, bekannt durch den Bundesaußenminister, den Rammelsberg und die Kaiserpfalz sowie durch ihren Oberbürgermeister, hat sich zufrieden mit ihrer jüngsten Hundekotaktion gezeigt. Die Fähnchen, die kreative Gosleraner in stinkende Hundehaufen mit kreativen Sprüchen stecken sollten, seien mittlerweile vergriffen, die Häufchen zurückgegangen, berichtete eine Stadtsprecherin. Zudem habe die Aktion großes Interesse auch außerhalb der Harzstadt ausgelöst. „Wir hatten ziemlich viele Medienmenschen aus der ganzen Republik hier.“ Was gibt es für einen Medienmenschen auch Schöneres als in einem ziemlich großen Haufen um einen Haufen herumzustehen...           

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