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Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Von Aaltaxis und Abgeordneten
Nachrichten Politik Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Von Aaltaxis und Abgeordneten
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02:15 08.05.2017
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Es ist nicht jedem Abgeordneten vergönnt, zum „Freien Elbfischer 2017“ ernannt zu werden. Doch heute wollen wir den Abgeordneten Ronald Schminke loben, dem dieser Titel ziemt. Obwohl rundum rund darf der Göttinger Abgeordnete durchaus als Mann mit Ecken und Kanten bezeichnet werden, der in der Lage ist, kurz vor Landtagssitzungen eigene Erzeugnisse aus der Räucher- oder Wurstkammer an die Herren und Damen Kollegen weiterzugeben. Auch mit der Rute kennt sich der Politiker aus, weil er ein großer Angler vor dem Herrn ist, den weder Wels noch Hecht zu schrecken vermögen. Jetzt ist er dabei, als Erfinder des „Aaltaxis“ in die jüngere Landesgeschichte einzugehen, wie sein Kollege Wiard Siebels berichtet. Denn Schminke habe dafür gesorgt, dass laichfähige Aale, die auf eine tödliche Kraftwerksturbine zuschwimmen, künftig „noch vor den Kraftwerksanlagen abgefischt und mit Spezialfahrzeugen bis an die Nordsee verbracht werden, damit sie von dort ungehindert in die Sargassosee weiterziehen können“. Hier, südlich der Bermudainseln, kommen Aal wie Abgeordneter gewissermaßen zu sich selbst, im Wirbelschatten des Antillenstroms und inmitten sättigender Braunalgen der Gattung Sargassum, die dem Meer einst ihren Namen gaben.

Nachdem wir uns im Wirbelstrom der Aale verloren haben, schweben neue Satzfetzen auf uns herab. „Wer sind wir? Und wer wollen wir sein? Als Gesellschaft. Als Nation“, fragt hämmernd Bundesinnenminister Thomas de Maiziere, dessen Antworten auf selbst gestellte Fragen imstande sein könnten, große Teile der Bevölkerung zu verunsichern. „Wir sind nicht Burka“, stammelt der Minister. Und wir fragen uns endgültig, wer wir sind, wenn wir nicht mehr alle beisammen haben. Und was meinte der große Ernst Bloch, als er sagte: „Ich bin, aber ich habe mich noch nicht. Also werden wir erst.“? Fragen über Fragen. Und warum gibt der Araber einem nicht die Hand?

Vielleicht werden alte Debatten über Leitkulturen auch einfach so in die politische Debatte geschmuggelt wie die 20 Schädel ins Oldenburger Landesmuseum, die jetzt erst auf ihre genaue Herkunft und Geschichte untersucht werden sollen. Sie stammen aus Australien, Kamerun, Kanada und Papua-Neuguinea, und zierten vermutlich Eingeborene, die auf Eingeborene aus Oldenburg stießen, etwa einen Oldenburger Steuermann, der nicht nur mit neuen Erfahrungen, sondern auch mit einem Inuitschädel von einer Kanadaexpedition zurückkam. Aber was um aller Welt machen die Katzenaugenschnecken in den Augenhöhlen eines Schädels aus Neuguinea, der für merkwürdige Kulthandlungen eingesetzt worden sein soll? Fragen über Fragen. DNA-Untersuchungen sollen Klärung bringen.

Vielleicht müssen auch Paläontologen dereinst die Frage klären, was aus dem „Schulz-Effekt“ geworden ist, warum er so kometengleich verpuffte, obwohl der Schulz noch da ist und der Sigmar Gabriel, den er verdrängte, jetzt noch viel präsenter. Fragen über Fragen, jenseits aller Gedanken über Aale und Leitfiguren und - kulturen.   

Niedersachsenredakteur Michael B. Berger blickt am Ende jeder Woche in seinen (virtuellen) Papierkorb – und erzählt die Nachrichten, die liegen geblieben sind, aber doch Beachtung finden sollten. Heute: Von Martin Schultz und der fetten Leber.

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