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Von Antänzern, Armleuchtern, Affen

Aus meinem Papierkorb Von Antänzern, Armleuchtern, Affen

Michael B. Berger mit einem satirischen Rückblick auf die Woche. Heute über eine Alliteration der Aberwitzigkeit, den Internationalen Tag der Umarmung und die neue niedersächsische Düngeverordnung.

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Ach, den Jahresanfang haben wir uns doch etwas betulicher vorgestellt. So ganz ohne Kölner Kracher oder mütterliche Ratschläge, doch bitte gegenüber alkoholisierten Enthemmten stets eine Armlänge Abstand zu halten. Doch die Armlänge Abstand, sprachlich eine wunderbare Konstruktion, taugt höchstens als Alliteration der Aberwitzigkeit und dürfte bei sogenannten Antänzern, Armleuchtern oder Affen überhaupt nicht verfangen. Aber aller Anfang ist schwer. Und was soll der Ratschlag, wenn sich der allgemeine Aberwitz im ausbrechenden Straßenkarneval fröhlich Bahn bricht und sich Menschen mit ganz unterschiedlichen Kragenweiten schunkelnd in die Arme fallen? Fragen über Fragen.

Die Politik übertüncht unsere allgemeine Ratlosigkeit indes mit immer neuen Forderungen nach Gesetzesverschärfungen, derweil die Polizei Mühe hat, die Einhaltung allgemeiner Sittengesetze überhaupt umzusetzen. „Alle abschieben“, tönt ein gemischt besetzter Politikerchor, ohne dass man genau weiß, wer mit „alle“ überhaupt gemeint ist. Zurück mit den Kriminellen in den Heimatknast,  hat SPD-Chef Sigmar Gabriel aus dem fernen Kuba gefordert und sich darüber beschwert, dass der deutsche Steuerzahler den ausländischen Kriminellen auch noch die Haftzeit im gemütlichen deutschen Knast bezahlen muss. Warum, so könnte man noch einen draufsetzen, gilt die Scharia nicht für alle? Aber nein, aber nein. Lasst uns positiv denken, zumal uns am 21. Januar der „Internationale Tag der Umarmung“ ins Haus steht, für den bereits jetzt der Verband der Deutschen Dermatologen wirbt: „Schuppenflechte – bitte berühren.“

Wir haben die Dermatologen hier nur zitiert, weil wir in dieser Kolumne stets darum bemüht sind, Vorurteile abzubauen und dem allgemeinen Abersinn Widerstand zu leisten. Wir packen das. Der höhere Blödsinn kennt wie Klimawandel oder Springflut keine Grenzen, auch keine Obergrenze, weshalb die CSU auch nicht zu den verbotenen Parteien zählt und Giganten wie Seehofer selbst im Kölner Straßenkarneval eine gute Figur machen würden. Wenn man ihn denn reinließe.

Aber das ist Spinnerei. Keine Spinnerei ist, dass in Niedersachsen seit diesem Jahr der Rauchmelder in allen Gebäuden zwingend vorgeschrieben ist, sodass das Risiko immens gewachsen ist, im Laufe der Zeit im eigenen Haus von einem herabfallenden Rauchmelder erschlagen zu werden, weil man dem Dübel einen Magneten vorgezogen hat, der nicht hält, was man sich von ihm versprochen hat. Keine Spinnerei ist auch, dass von diesem Jahr an bei der Gülleausbringung auf niedersächsischen Äckern der „alte Prallteller“ verboten ist. Ebenso wie die wunderbaren Drehstallregner für unverdünnte Gülle, die in manchen Gegenden schon fast zum Landschaftsbild gehörten, weil sie die braune Brühe so schön über Gerechte und Ungerechte regnen ließen. Da frage doch keiner: Wo bleibt das Positive? Hier: in der neuen Düngeverordnung!

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