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Von Badeanzügen und Mummenschanz

Aus meinem Papierkorb Von Badeanzügen und Mummenschanz

Niedersachsenredakteur Michael B. Berger blickt am Ende jeder Woche in seinen (virtuellen) Papierkorb – und erzählt die Nachrichten, die liegen geblieben sind, aber doch Beachtung finden sollten. Heute: Ausmalbücher für Erwachsene, Sigmar Gabriel und Jens Nacke unter einer Burka und die Frauenfreundlichkeit in Göttingen.

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Auch wenn das Pokemon-Go-Fieber abflaut und immer weniger Pokemon-Go-Spieler vor den Kühler meines Autos laufen, schreitet die Infantilisierung der Gesellschaft munter voran. Das sieht man etwa an der Tatsache, dass die Verlagsbranche jetzt auch Ausmalbücher für Erwachsene herausgibt, die dem Kind im Manne oder der Frau farbenfrohen Ausdruck verleihen können. Das sieht man auch an neckischen Sprachspielereien, die irgendwann eine neue Alphabetisierungskampagne unter den indigenen Völkern Niedersachsens nötig machen könnten. So preist etwa der Landkreis Hameln sein neues Ausbildungsnetzwerk nicht nur als beispielhaften Glücksfall an, sondern hat ihn zudem noch „Be Ha-Py“ genannt, was auf ein Glücksgefühl hindeuten könnte, das sich offenbar nur noch in Stammel- und Grunzlauten wiedergeben lässt.

Aber was soll’s, wir wollen nicht meckern, zumal auch andere, frühere Kulturnationen jetzt die Abwrackprämie verdient hätten. Nehmen wir etwa Frankreich, wo jetzt an Mittelmeerstränden Urlauberinnen gejagt werden, die einen Badeanzug anhaben, was etwa in einem Badeort wie Cuxhaven vor der Jahrhundertwende gang und gebe war. Dort hat man die ersten Kur- und Badegäste sogar in Badewagen in die Fluten gefahren, in denen unten ein Loch war, das sich wie eine Falltür öffnen ließ, um die Kurgäste in den Wellen zu verklappen. Bis nur noch der Kopf in der offenen See zu verorten war. Doch wir schweifen ab. Bilder, wie man sie jetzt von Frankreichs Stränden sieht, wo schwerbewaffnete Polizisten sich auf etwas verhüllte und schwer verblüffte Urlauberinnen stürzen, künden allerdings weder von Anstand noch von Takt. Und lustig sind sie auch nicht.

Angesichts der Verdummungs- und Vermummungsdebatte, die derzeit auf allen Kanälen tobt, wäre es auch an der Zeit, eine Transgenderdebatte zu führen. Zumindest ein Umhang wäre für einige Bundestags- wie auch Landtagsabgeordnete nicht ohne Reiz. Ob man auch in der Burka einen Sigmar Gabriel noch erkennen würde? Kontur und Stimme behielte er gewiss. Und den wahren Ammerländer im Mann könnte der CDU-Landtagskollege Jens Nacke gewiss auch unter einer Nikab kaum verbergen. Denn in einer Region, wo der Himmel voller Schinken hängt, legt gewiss niemand seine Identität so leger ab wie die Französinnen ihren Bikini am Mittelmeerstrand.

Wo wir gerade beim Rumgendern sind. Göttingen soll die frauenfreundlichste Stadt Niedersachsens sein, meldet die örtliche Stadtverwaltung. Göttingen? Das ist jene Stadt, so der Dichter Heinrich Heine, die bekannt sei „für ihre Würste und die Universität“. Heine, einer der letzten wahren Frauenversteher von literarischem Rang, hat übrigens noch angemerkt, dass die Göttingerinnen große Füße haben, sodass die Frauenfreundlichkeit der Stadt bereits seit Jahrhunderten gut aufgestellt sein muss. Die Göttinger Stadtverwaltung berief sich bei ihrer Erfolgsmeldung indes nicht auf den Dichter, sondern auf eine Studie des Magazins „Focus“, das weniger nach optischen Reizen, sondern simplen Fakten schielte.  Das ist auch gut so.       

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