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Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Von Bienen und Ankerzentren
Nachrichten Politik Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Von Bienen und Ankerzentren
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21:37 11.05.2018
Quelle: HAZ
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Das Leerräumen von Regalen in Penny-Märkten hat spätestens seit den Chaostagen in Hannover eine gewisse Tradition, seitdem sich punkige und nicht mehr ganz so punkige Anwohner der hannoverschen Nordstadt dem Zauber des Plünderns hingaben. Dass aber ein leibhaftiger Minister anrauscht, um im Penny-Markt die Regale zu räumen, ist hingegen neu. So dürfte Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies einige Beachtung erfahren, wenn er am Montag in Langenhagen bei Hannover einen Penny-Markt freiräumen will. Nun lässt der Minister durch kräftigen Bartwuchs seit geraumer Zeit den Freibeuter raushängen. Dennoch rückt er nicht zum Plündern an , sondern mit pädagogischen Ansätzen. Der Minister will auf die enorme Bestäubungsleistung der Honig-Bienen hinweisen, die unter der industrialisierten Landwirtschaft leiden. Er will zeigen, wie sich das in den Regalen auswirkt, wenn immer weniger Bienen von Blüte zu Blüte eilen.

Das Umweltministerium in Hannover schätzt die Bestäubungsleistung von „Bienen, Schmetterlingen und Co.“ global sogar auf bis zu 500 Milliarden Euro. Potzblitz: Das ist sogar mehr als das Land Niedersachsen an Schulden hat. Bestäubungsleistung ist auch so ein wunderbares Wort, welches unseren Blick auf dieses so ökonomisch gebaute und ökologisch so wertvolle Insekt noch nachhaltiger schärfen wird. Die Bestäubungsleistung einer Biene ist in jedem Fall der Betäubungsleistung eines Politikers vorzuziehen, selbst wenn dieser mit wundersamen Worten wie „Ankerzentren“ um sich wirft, wobei es sich hierbei nicht um den abgelegenen Teil einer Werft handelt, in dem Anker geschmiedet oder gelagert werden, sondern um Flüchtlingslager, die zur Abschreckung dienen sollen. Der Begriff bedeutet übrigens:„Ankunft, Entscheidung sowie Verteilung beziehungsweise Rückführung“. 

Immerhin hat es damit der Seehofer zum Voll- beziehungsweise Super-Horst in den Umfragen gebracht. Im jüngsten ARD-„Deutschlandtrend“ gewinnt der CSU-Vorsitzende zwölf Prozentpunkte hinzu und kommt auf 47 Prozent Zustimmung. Vielleicht sollte man die Einführung der Bastonade für Flüchtlinge an der Landesgrenze fordern, um zu noch zu höheren Zustimmungswerten zu kommen. Insofern hat Bundeskanzlerin Angela Merkel derzeit einen schweren Stand, zumal ihr diese Woche auch noch Modezar Karl Lagerfeld die Gefolgschaft aufgekündigt hat. Er hasse „Madam Merkel“, gab der 84-Jährige zu Protokoll, weil die mit einer Million Migranten, nicht nur viele Flüchtlinge nach Deutschland geholt habe, sondern mit der AfD auch „das Böse an die Macht befördert“ habe. Ach, Karlchen. Nur gut, dass der Modezar sich nicht über Merkels Hosenanzüge ausgelassen hat.

Und sonst? Kommt Ministerpräsident Stephan Weil von seinem Südafrika-Trip zurück, bei dem er schon im Anflug auf Kapstadt notierte, dass das Land ein Wasserproblem habe. Und sonst noch? Ist bald Muttertag. Und das freut die Gesellschaft deutscher Friedhofsgärtner so sehr, dass sie in einer Pressemitteilung frohlockte: „Bald ist Muttertag – auch auf dem Friedhof!“

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