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Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Von Eiern, Seehofer und dem Sympathen Erdogan
Nachrichten Politik Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Von Eiern, Seehofer und dem Sympathen Erdogan
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20:52 18.03.2016
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Die Tatsache, dass bald das kalendarisch ziemlich bewegliche Osterfest auf uns zurollt, kann man schon daraus ersehen, dass die Deutsche Presseagentur (dpa) immer neue Osterreportagen in die Flur schickt. Nicht nur, dass im Osterhasenpostamt in Ostereistedt bei Bremen „die Stifte glühen“, wie eine Sprecherin der Post versicherte, es werden auch immer neue Tipps zum Umgang mit dem Ei versendet, die wir in diesen politisch äußerst fragilen Zeiten gerne weitergeben. Also, Eierfreunde, aufgepasst: Eier stets „mit dem spitzeren Ende nach unten lagern“, empfiehlt laut dpa die Initiative „Zu gut für die Tonne“. Denn dann hielten sie sich länger. Und die Eier am besten „getrennt von anderen Lebensmitteln lagern“, denn deren Schale sei luftdurchlässig und nehme herzlich gerne den Geruch von Zwiebeln an. Auf die Meldung, dass schon wieder ein Riesenei in Niedersachsen gesichtet worden ist, diesmal im Landkreis Hildesheim, gehen wir an anderer, seriöserer Stelle dieser Zeitung ein.

Wir schwanken noch, ob wir die Überleitung zu Horst Seehofer nun unter „Zu gut für die Tonne“ platzieren sollten. Aber der Mann gibt uns echte Rätsel auf. Was will er denn eigentlich mit den immer neuen Kanzlerinnentreffen und immer neuen Interviews, die einerseits den großen Bruch mit der CDU thematisieren und andererseits das Bekenntnis, dass Deutschland eine „gute Kanzlerin“ habe? Was will er wirklich, der „Das-können-Sie-jetzt-alles-senden“-Horst? Dass Merkel endlich „Obergrenze“ stammelt? Das Asylrecht ist so gut wie geschreddert, die Grenzen dicht, und der große Sympath Erdogan soll sogar noch für Europa ein Besuchervisum bekommen – das müsste doch langen für einen schönen Osterartikel mit der Überschrift: „Ach, du dickes Ei“.

Das haben wir auch gedacht, als wir die Stimme der AfD-Frontfrau Frauke Petry nach den Landtagswahlen vernahmen, die da sagte: „Wir brauchen eine Partei, den sozialen Frieden in Deutschland ins Visier zu nehmen.“ Das Visier, gnädige Frau, ist eine Vorrichtung zum Zielen von Schusswaffen. Frau Petry meinte wohl „in den Blick nehmen“, als ihr kurzzeitig der „soziale Frieden“ vor die Augen rutschte. Aber deutsche Sprache, schwere Sprache. Im politischen Gefecht verrutschen indes nicht nur die Begriffe.

Aber gemach, gemach, nur keine Panik. Der Humorproduktion des deutschen Kabaretts kann das Aufkommen neuer Parteien an den Rändern schrumpfender Volksparteien nur nützen, zumal jetzt alle den sogenannten „kleinen Mann“ wiederentdeckt haben. Auch die SPD will sich wieder den Kleinwüchsigen in der politischen Landschaft widmen, etwa mit der neuen Generalsekretärin Katarina Barley, der die dpa („Ach, du dickes Ei“) jetzt ein warmherziges Porträt widmete. „Seit Barley da ist, ist plötzlich Perestroika angesagt“, heißt es etwa über die Parteizentrale. Genossen, seid wachsam: Der Perestroika folgte nämlich der Zerfall der Sowjetunion ...

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