Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Von Engeln und explodierenden Heringen

Aus meinem Papierkorb Von Engeln und explodierenden Heringen

Michael B. Berger mit einem satirischen Rückblick auf die Woche. Heute über Dynamitfischen, gefallene Engel und einen stürmischen Landwirtschaftsminister.

Voriger Artikel
Von Zahnlücken-Dichte und Räuchermännchen
Nächster Artikel
Von Antänzern, Armleuchtern, Affen

Michael B. Berger mit einem satirischen Rückblick auf die Woche.

Quelle: HAZ

Engel 3,09 MB

Das muss ein Fest sein, wenn sich die EU-Agrarminister in Brüssel treffen, in dieser Stadt, die eine wunderbare Mischung zwischen Paris und Ostberlin darstellt. Ach, man möchte den Ministern zujubeln, wenn sie um die Nordsee-Fischfangmengen „ringen“, wie die Presseagenturen diese Woche berichteten. Geradezu enthusiasmiert stürmte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (58, CSU, Halbglatze, Hornbrille, Mittelfranke) aus einer Sitzung und raunte in das Mikro eines Rundfunkreporters, dass der Hering derzeit geradezu „explodiert“. Eine grausige Vorstellung, nicht nur für Gegner des Dynamitfischens. Explodierende Heringe am Kattegatt. Aus einem explodierenden Hering – dies sei dem Minister Schmidt gesagt, der sich vermutlich eher mit einer Forelle nach Müllerin Art auskennt oder mit dem Waller im Wurzelsud – kann man rein gar nichts machen. Keinen Bismarck-Hering, keinen Brathering, keinen Matjes und auch keinen Bückling. Obwohl gerade der in der CSU so beliebt ist.

Denn nun naht das Weihnachtfest mit Schall und Rauch und allen Endzeichen eines zu Ende gehenden Jahres. Die Weihnachtsmärkte explodieren gottlob nicht wie die davongaloppierenden Worte unbekannter Minister, sodass sich Ministerpräsidenten in die Menge wagen und mit Bechern voller Glühwein auf Facebook herniederkommen können wie Santa Clause durch den Schornstein am Nikolaustag. Unser Landesvater Stephan Weil ward’ diese Woche neben zwei Glühweinhumpen in Hannover gesehen, von wo aus er dem ehemaligen Innenminister Hans-Peter Friedrich zuprostete, weil der Weil einst nachgesagt hatte, der wolle den deutschen Weihnachtsmarkt abschaffen. Daraufhin hat Weil – ach, wie süß ist die Rache – Friedrich zum Besuch eines niedersächsischen Weihnachtsmarktes eingeladen. Huch, wie witzig ist sie doch, die deutsche Politik.

Auf der nach oben offenen Witzigkeitsskala bewegt sich auch die gute, alte SPD, die auf Bundesparteitagen erst ihren Bundesvorsitzenden abmeiert, dann minutenlang sich beklatscht und das Ganze auch noch „ehrlich“ findet. Was soll nur aus Sigmar Gabriel werden? Erzengel? Kanzlerkandidat? Oder Golfballtaucher, die immer wieder in fesselnden Reportagen einem staunenden Publikum vorgestellt werden. Fragen über Fragen.

Apropos Engel: „Mehr Engel auf Erden“, wünscht sich Niedersachsens CDU-Vorsitzender David McAllister auf einer anregenden Weihnachtskarte, die ein rotierendes Kind im Schnee zeigt. Mit gefallenen Engeln haben die Christdemokraten gewiss ihre Erfahrungen. Umweltminister Stefan Wenzel verschickt auf DIN A5 eine mehrseitige Hochglanzkarte, die einen Baum zum Ausschneiden, eine Bastelanleitung und den Aufruf enthält, in Niedersachsen doch mehr Bäume zu pflanzen. Das scheint auch nötig, denn mit dieser Weihnachtskarte dürfte Wenzel das Waldsterben eher befördert haben. Schöne Weihnacht.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb

Die Wahl ist entschieden: Donald Trump wird der 45. Präsident der USA. Auf unserer Themenseite finden Sie aktuelle Berichte, Analysen und Hintergrundinformationen zur Wahl des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. mehr

CDU-Parteitag in Hameln

Zum Landesparteitag der niedersächsischen CDU in Hameln haben sich rund 450 Delegierte versammelt, um über einen Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2018 zu entscheiden. Sie nominierten einstimmig Bernd Althusmann.

Die Karikatur des Tages

So sehen unsere Karikaturisten die Welt.