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Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Von Hofbarden und versteinerten Mienen
Nachrichten Politik Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Von Hofbarden und versteinerten Mienen
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20:49 25.05.2018
Quelle: HAZ

Aus aktuellem Anlass wollen wir heute über den Barden sprechen, der zu Zeiten keltischer Könige und Krieger am Hofe ein- und ausging und bei guter Führung sogar zum sogenannten Hofbarden avancieren konnte. So einen hat Niedersachsens großkoalitionäre Landesregierung noch nicht, obwohl sie sonst kaum Mittel scheut, neue Stellen im Ministeriumsgefüge zu schaffen. Auffällig ist indes, dass unsere Ministerpräsidenten eine irre Vorliebe für diejenigen entwickeln, die aus dem Eurovision Song Contest siegreich hervorgehen. Christian Wulff soll aus schierer Freude gleich zwei Glas Ananassaft geleert und öffentlich mit den Hüften gewackelt haben, als Lena Meyer-Landrut siegreich aus Oslo nach Hannover zurückkehrte. Damals fand ein Fest vor dem Rathaus statt, an das der frühere Oberbürgermeister Weil jetzt als Ministerpräsident erinnerte, als er den zweifellos sympathischen Sänger Michael Schulte hüftewackelnd vor der Staatskanzlei empfing. Weil lobte den rothaarigen Mann aus Buxtehude, der äußerlich einen prima Hofbarden abgeben würde, als Künstler „ohne Gedöns“. Was der nicht an Show habe, habe er eben an Stimme. Vielleicht sollten die ESC-Juroren von vornherein auf Niedersachsen setzen, wenn sie Qualität wollten. So oder ähnlich könnte man das auch für die Bundes-SPD formulieren.

Die trudelt in den Umfragen derzeit weiter munter bergab, und alle Welt beklagt sich, dass Olaf Scholz zu wenig „Emotion“ biete. Als sei der Posten eines Finanzministers mit dem einer Duftberaterin zu vergleichen. Scholz ist Hamburger und als solcher hat man nicht in der Gegend herumzukrakeelen, sondern sitzt als Pfeffersack auf einem Geldsack und hütet sich vor großen Ausgaben. Mit Peer Steinbrück hatte die SPD einst einen Finanzminister, der über erhebliches komödiantisches Talent verfügte. Aber das war der SPD auch nicht recht. Vielleicht sollten sie gleich Kevin Kühnert zum Kanzlerkandidaten küren, der außer Studium und Juso-Karriere zwar noch nichts Gescheites gemacht hat, aber so prima sachlich kritisieren kann.

Apropos Kritik. Keine Kritik gibt es von dieser Stelle zu der gleichermaßen pfingstlichen wie königlichen Zeremonie, in der Prinz Harry und Meghan Markle einander das Jawort gaben. Geradezu vom pfingstlichen Feuer geschüttelt schien der Bischof Michael Curry, der tänzelnd vor der königlichen Familie die wunderbaren Kräfte der göttlichen Liebe besang. Nur der Queen schien ein wenig zu viel Emotion im Spiel. Da hält sie es zweifellos wie Olaf Scholz, nur dass sie zur versteinerten Miene die schickeren Hüte trägt.

Ein alter Hut ist übrigens die Tatsache, dass man sich auf Donald Trump nicht verlassen kann. Diese Erfahrung musste jetzt auch sein neuer Freund Kim Jong Un machen, mit dem sich Trump nun nicht treffen will, obwohl die Fans des US-Präsidenten ihn schon als künftigen Friedensnobelpreisträger feierten. Nun ist das Stockholmer Komitee schon ganz schön auf den Hund gekommen. Aber einen Mann, der von sich sagt, dass er zu Gott bete, damit die eigenen, wunderbaren, gewaltigen und mächtigen Atomwaffen nicht zum Einsatz kommen, sollte man eher nach Elba verbannen. Wenn das denn helfen würde.

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