Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
Von Jogis Nebennieren und Leitplanken

Aus meinem Papierkorb Von Jogis Nebennieren und Leitplanken

Niedersachsenredakteur Michael B. Berger blickt am Ende jeder Woche in seinen (virtuellen) Papierkorb – und erzählt die Nachrichten, die liegen geblieben sind, aber doch Beachtung finden sollten. Heute: Die Nebennieren von Jogi Löw, die teure Abdichtung eines Kellerraums im Landtag und Leitplanken.

Voriger Artikel
Erdogan oder: Jetzt sind wir alle beleidigt
Nächster Artikel
Vom Kannibalismus und der SPD
Papierkorb 2,63 MB

In diesen adrenalinhaltigen Tagen ist es an der Zeit, rühmende Worte für Gottes Schöpfung und die herrlichen Nebennieren zu verlieren. Denn der wunderbare Jogi Löw, die Stilikone des Allwetter-Tafts schlechthin, wäre nicht so voller Adrenalin und müsste sich nicht an den „balls“ kraulen, wie die Engländer sagen, gäbe es die Nebenniere nicht. Das ist eine, wie das Lexikon lehrt, „paarige Hormondrüse der Säugetiere, Vögel, Reptilien und Amphibien“. Wobei wir den Jogi jetzt zu den Säugetieren rechnen wollen, obwohl Amphibien in diesem verregneten Sommer ganz groß im Kommen sind. Doch wir schweifen ab. Im Nebennierenmark soll jedenfalls jenes Stresshormon gebildet werden, welches die Griechen Epinephrin (auf Niere) nannten und die Lateiner Adrenalin (an Niere), was in der Wirkung aufs Gleiche hinausläuft. Fakt ist, dass der Jogi voll von Adrenalin war, was zu seltsamen Körperreaktionen führen mag, die bei zartbesaiteten Beobachtern zu Entsetzen, bei derben niedersächsischen Naturen eher zum Lachen führt.

Aber ist sie nicht göttlich und immer wieder voller Überraschungen, die menschliche Natur? Immerhin sind wir jetzt um einen „Schnüffelgate“- oder „Hosen-
gate“-Skandal reicher, wobei die Manie der Medien auch nur noch zum Lachen ist, an jede noch so lächerliche Affäre gleich ein „-gate“ zu hängen, nur weil es mal einen Watergate-Skandal in Washington gegeben hat, in dem Wanzen in einem Gebäudekomplex untergebracht waren, der so hieß.

Die klassische Nebenniere ist bei einem Fußballtrainer übrigens cirka vier Zentimeter lang, bei einem Pferd hingegen acht Zentimeter, aber diese sicherlich interessante Information hilft uns auch nicht weiter, den Kern jener Dinge zu erfassen, die lauernd in und um uns vorgehen. Wie übrigens auch der Parlamentarische Untersuchungsausschuss nicht, für den Niedersachsens Landtag jetzt extra einen Kellerraum für 250 000 Euro abdichten muss, damit eigentlich geheime Töne nicht nach außen dringen und die ohnehin verunsicherte und von Pest und Pegida geschüttelte Bevölkerung verunsichern können. Ist es nicht Wahnsinn, wofür die öffentliche Hand, die wir doch alle füttern, das Geld rausballert? Warum nicht einfach in die Räume des Verfassungsschutzes umziehen, der für sich in Anspruch nimmt, ganz dicht zu sein, auch wenn es dazu gegenteilige Meinungen gibt.

Gegenteilige Meinungen gibt es auch zur und innerhalb der AfD, der wir hier nicht wertvolle Zeilen widmen wollen. Aber was meinte der hannoversche Landesbischof Ralf Meister kürzlich, als er kundgab: „Wir brauchen Leitplanken, an die sich alle halten.“ Wer hält sich denn an einer Leitplanke fest, die als passive Schutzeinrichtung am Rande der Straße steht und jeden abprallen lassen soll, der an sie knallt? Und was ist mit den Motorradfahrern, die Leitplanken hassen, weil sie im unglücklichsten Fall wie Do-it-yourself-Guillotinen wirken? Fragen über Fragen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb

Die Wahl ist entschieden: Donald Trump wird der 45. Präsident der USA. Auf unserer Themenseite finden Sie aktuelle Berichte, Analysen und Hintergrundinformationen zur Wahl des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. mehr

CDU-Parteitag in Hameln

Zum Landesparteitag der niedersächsischen CDU in Hameln haben sich rund 450 Delegierte versammelt, um über einen Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2018 zu entscheiden. Sie nominierten einstimmig Bernd Althusmann.

Die Karikatur des Tages

So sehen unsere Karikaturisten die Welt.