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Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Von Kampfgesängen und Bischöfinnen
Nachrichten Politik Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Von Kampfgesängen und Bischöfinnen
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19:09 01.06.2018
Quelle: HAZ
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Lag es am Spargel, dem ungewöhnlich virile Kräfte nachgesagt werden? Oder lag es am Ort, Schloss Oelber bei Baddeckenstedt, wo einst Graf Tilly campierte, bevor er im Dreißigjährigen Krieg etliche niedersächsische Protestanten niedermachte? Der Vorstand der Nienburger Spargelbauern setzte jedenfalls diese Woche zum Auftakt des alljährlichen Spargelessens der Niedersachsen-CDU („Wir suchen die hellsten Köpfe“) ein paar Signale, die man auch dem alten Protestanten-Schlächter Tilly zuschreiben könnte. Herzlich begrüßte Spargelbauer Fritz Bormann Niedersachsens neue Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast unter den 250 Gästen – und frohlockte, dass kein Grüner mehr im Ministerium regiert. „Sie steht an der Front“, sagte Bormann zu Otte-Kinast, als stünde die Schlacht von Lutter am Barenberge kurz bevor. Und: „Sie schießt uns den Weg frei, so macht man das im Krieg.“ Die Bauern, sagte der Spargelzüchter, stünden noch heute „unter dem Joch“. Und müssten „kämpfen, kämpfen, kämpfen“. Trotz dieser martialischen Ansprache geriet die Festgemeinde nicht in Wallung. Vielleicht auch, weil das Bier zu warm und die anschließende Rede der Theologin Petra Bahr eher für feinsinnigere Naturen gedacht war.

Der Übergang zu Margot Käßmann gelingt jetzt ohne Risiko (und auch ohne Militanz und Spargel). Weil auch sie wie Bahr mit dem Kleinen Kartechismus groß geworden ist und sich nach dem Latinum, Graecum und Hebraicum der Theologie angenommen hat. Das ist sehr, sehr lange her, denn die „Bischöfin der Herzen“, Reformationsbotschafterin a. D. und Erbauungsschriftstellerin wird an diesem Sonntag 60 Jahre alt. Ein Anlass, der Mutter Beimer der Theologie auch von dieser Stelle aus zu huldigen. Unschuldige Sätze wie „Nichts ist gut in Afghanistan“, flößte sie mit Gespür für den Kairos, den richtigen Zeitpunkt, ins Gemüt der Bundesdeutschen. Und auf die Frage, ob es ein Leben nach dem Tod und ein Leben ohne Interviews gibt, wird Mutter Margot nach der Frühpensionierung gewiss auch eine Antwort finden.

An Frühpensionierung kann „Tennislegende“ Boris Becker noch nicht denken, zumal er nicht den Segnungen des kirchlichen Beamtenrechts anheim fällt wie Margot Käßmann. Zudem hat der Wimbledon-Star a. D. nur noch Ärger. Erst Vermögen weg, jetzt die soundsovielte Frau. Und zudem hatte noch ein Hippie-Guru aus Würselen sein Haus auf Mallorca besetzt. Unvergessen ein Tweet, den Kanzlerkandidat a. D., Martin Schulz dazu absetzte; „Ich bin es nicht.“ Ach ja, wir vermissen ihn schon den rheinischen Singsang des Martin Schulz, dem es immerhin gelang, die Stadt Würselen bundesweit bekannt zu machen. Das hat Hannovers OB Stefan Schostok mit den Rathausfestspielen fast geschafft, die gar keinem Drehbuch zu folgen scheinen, sondern reinstes Anarcho-Theater bieten. So wird man jedenfalls nicht Kulturhauptstadt, sondern zur Lachnummer eines doch sonst recht liebenswürdigen Bundeslandes.

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