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Von Schreibknechten und dem Emirat Schwerin

Podcast Von Schreibknechten und dem Emirat Schwerin

Ach ja, der Beckenbauer ist schon ein politischer Kopf, wie er jüngst mit seinen Einlassungen zum Wüstenstaat Katar gezeigt hat. Dass es dort Arbeitssklaven geben könnte, hält der „Kaiser“ für undenkbar. Denn: Noch nie habe er einen Sklaven in Katar gesehen, ...

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... „weder in Ketten gefesselt noch mit irgendwelcher Büßerkappe am Kopf“. Nein, so etwas sieht man auch eher im Schwabinger Fasching als auf arabischen Baustellen. Dabei scheinen Sklaverei und Menschenhandel auch in Europa im Trend zu liegen, wie neueste Beispiele aus good old England zeigen, während bei uns offiziell nur Stiefel- und Stallknechte beschäftigt werden dürfen. Aber machen wir uns nichts vor, liebe ­Leser: Auch in der demokratischen ­Bundesrepublik gibt es Haus-, Schreib-, Redigier-, Kirchen-, Familien- und Zeilenknechte. Sie heißen nur anders.


Katar, bekannt durch Christian Wulffs legendären Kurzsatz: „Ich bin dann beim Emir“, hat übrigens einen neuen ebensolchen. 33 Jahre alt ist Katars jüngster Herrscher, Emir Scheich Hamad bin Chalifa. Im Gegensatz zu seinem Vater Hamad hat der neue Emir nur noch zwei Ehefrauen und will seinen Wüstenstaat modernisieren. (Der alte, bei dem der BuPrä zu Besuch war, hat drei Ehefrauen – gleichzeitig, versteht sich – und 27 Kinder.) Also ganz schön produktiv die Jungs, die sich dafür feiern ließen, ihren Herrschaftswechsel so unblutig und „modern“ organisiert zu haben. Na ja, ist ja auch gelungen, bleibt halt alles in der Familie.

Auch wenn Schwerin Tausende Kilometer entfernt und wesentlich unterkühlter ist, herrschen dort beduinische Verhältnisse. Zumindest in der Nahverkehrsgesellschaft, deren Geschäftsführer die Ehefrau, Tochter, Sohn und Schwiegersohn im Unternehmen unterbrachte. Damit nichts anbrennt, setzte er die Tochter ins Controlling und ließ den Sohn vom Busfahrer zum Manager aufsteigen. Und keiner nahm daran Anstoß, weil die Familienbeförderung im Nahverkehr durch eine Betriebsvereinbarung abgesichert war. War alles legal – im Emirat Schwerin.

Wenn Bundesratspräsident Stephan Weil demnächst jemanden in Berlin hinter die Fichte führen will, kann er dies mit einem Landeskind tun. Denn die 14 Meter hohe Fichte, die heute mit einem Kran vor dem Bundesrat in Berlin aufgestellt wird, stammt aus Niedersachsen, wuchs vor 35 Jahren bei Clausthal-Zellerfeld auf, bis sie vor Kurzem gefällt wurde, um nun als Weihnachtsbaum den Berlinern zu gefallen.

Apropos Berlin: Die Große Koalition will jetzt Dieben den Führerschein wegnehmen. Prima Idee: Wir empfehlen noch, Heiratsschwindlern einen Angelschein in die Hand zu drücken und Pazifisten einen Waffenschein. Hochstaplern könnte der Doktorhut genommen werden, und wenn sie gar keinen haben, wird ihnen einfach das Zeugnis der Reife aberkannt. Steuerbetrüger bekommen Fahr- und Alkoholverbot – bis auf Uli Hoeneß, dem man alles verzeiht, weil er so schön heulen kann und der Freund vom „Kaiser“ ist, der in Katar auch nicht einen einzigen Sklaven in Ketten gesehen hat.

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