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Von Spargelbotschaftern und Hexen im Anflug

Aus meinem Papierkorb Von Spargelbotschaftern und Hexen im Anflug

Niedersachsen-Redakteur Michael B. Berger blickt am Ende jeder Woche in seinen Papierkorb – und erzählt die Nachrichten, die liegen geblieben sind, aber doch Beachtung finden sollten. Heute: Der neue Spargelbotschafter, ein immobilisierter Wolf und traditionelle Walpurgisfeiern.

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Er zählt zur Klasse der Bedecktsamer, kommt jedes Jahr ein bißchen früher, breitet sich auf dem platten Lande neuerdings gern unter Planen aus und ist dank dieser Planwirtschaft weltweit verbreitet. Genau, der Spargel. Er ist schon ziemlich beliebt, sollte aber noch begehrter werden, weshalb der Verein Niedersächsische Spargelstraße jedes Jahr einen Spargelbotschafter auslobt. Dieses Jahr fiel die Wahl auf Altbundespräsident Christian Wulff – eine gute Wahl, denn Wulff ist noch nicht ganz so beliebt wie der Spargel, der zu Deutschland gehört wie die Kartoffel in den Salat. Wulff hat auch eine besondere Affinität zu diesem angeblich königlichen Gemüse, weil er früher stets zu einem politischen Spargelessen einlud, das unter dem Motto stand: „Die hellsten Köpfe versammeln sich“ – aber bitte mit Soße. Schön, dass der Altbundespräsident wieder einen Botschafterposten hat. Spargel, hat Wulff in seinem kurzen Grußwort gescherzt, sei so gesund, dass er eigentlich vom Arzt verordnet werden müsste. Dem ist nichts hinzuzufügen. Auch Erdbeeren mit Sahne auf Rezept wären eigentlich ganz schön. Wer überzeugt jetzt die Gesundheitsmafia? (Das gibt doch jetzt kein Verfahren wegen Präsidentenbeleidigung, oder?)

Der Wolf ist tot, aber im Internet lebt „Kurti“ weiter. Landesumweltminister Stefan Wenzel, der diese Woche den Schießbefehl gab, druckste etwas herum, als er verkündete, dass MT 6 nicht mehr sende. Denn so hieß der „besenderte“ Wolf, der sich in der Gegend um Celle als ausgesprochen bissig erwies und eine Kleinfamilie aufs Schauerlichste erschreckte, sodass das Ministerium zuerst erwog, den äußerst umtriebigen Caniden zu „immobilisieren“ und, falls dies nicht gelinge, „lethal zu entnehmen“. Sollte Ihr Hausarzt Ihnen sagen, er müsse Sie jetzt „immobilisieren“, seien Sie also auf der Hut. Denn gegen die „lethale Entnahme“ ist kein Kraut mehr gewachsen – außer, der Schütze zielt daneben. Aber Hausärzte bedienen sich gottlob nicht immer einer so verschleiernden Sprache und sind in der Regel humaner als Zahnärzte. Doch das ist ein anderes Thema ...

Ach, ist es wieder so weit. Der ganze Harz, meldet dpa, werde an diesem Sonnabend zum „Hexenkessel“, da sich Besucher aus allen Himmelsrichtungen zu den traditionellen Walpurgisfeiern versammelten. Vor tief fliegenden Hexen sei also gewarnt, auch vor Teufel und Dämonen, von denen es weltweit leider viel zu viele gibt, die sich aber im Harz so altbacken kleiden, dass Imagepfleger Mühe haben, die Mittelgebirgsregion als coole Destination anzupreisen. Die Walpurgistradition soll übrigens auf heidnische Riten zurückgehen, denen die Kirche die heilige Walburga, eine englische Benediktinerin, als Schutzpatronin gegen Aberglauben und Geister entgegensetzte. Geholfen hat das nicht, denn der Harzer ist nicht selten von allen guten Geistern verlassen, was man nicht nur an prominenten Bundespolitikern sehen kann, sondern auch am Harz an sich. Aber das ist ein weites Feld ...

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