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Von Stabreimen, Resteverwertung und Glatzen

Aus meinem Papierkorb Von Stabreimen, Resteverwertung und Glatzen

Michael B. Berger mit 
einem satirischen Rückblick auf die Woche – heute: Von endlosen Stabreimen im öffentlichen Sprachgebrauch, die Reste vom Tag der Deutschen Einheit und „Katzen gegen Glatzen“.

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Nimmt es denn niemals ein Ende? Wie oft haben wir von dieser verantwortungslosen Stelle aus gewarnt, doch endlich der endlosen Stabreimerei im öffentlichen Sprachgebrauch ein Ende zu setzen und damit aufzuhören, ständig Alliterationen abzulassen. Alliterationen? Rethorische Schmuckelemente wie etwa „Geiz ist geil“ oder „Ku-Klux-Clan“ oder „Weia, Waga, Woge, Du Welle“ (für Wagner-Liebhaber). Aber es nimmt kein Ende! Neuestes Beispiel liefert die Pressemitteilung unserer geschätzten Landesjustizministerin, die am Freitag eine neue Produktlinie in einer Justizvollzugsanstalt vorstellen will: „Vereint in Vielfalt aus Vechta“. Vereint in Vielfalt aus Vechta. Mannomann, da haben die Wortakrobaten im Justizministerium aber einen Salto hingelegt, einen Slogan kreiert, dem man in der Kinderkrabbelgruppe zum Einüben in die Runde geben sollte. Bei der neuen Produktlinie soll es um ausgediente Planen und Flaggen vom Tag der Deutschen Einheit gehen, aus denen die JVA-Schneiderei Tüten, Taschen und ähnliches fabriziert hat. „Da werden die Reste vom Tag der Deutschen Einheit präsentiert“, meinte ein Justizsprecher. Na, denn nix wie hin.

Spätestens, wenn ein Stoff in den Justizvollzugsanstalten landet, merkt man, dass er hochmodern ist. Upcycling ist jetzt up-to-date, wie man früher gesagt hätte, also megacool, angesagt oder sonstwas. So kann man aus alten Autoreifen eben schnell Flip-Flops machen, die der Dalai Lama dann aufträgt, wodurch nicht nur dem Gedanken der Wiedergeburt sondern auch dem der Wiederverwertung Rechnung getragen wird, was Kulturkritiker gleich doppelt glücklich machen müsste. So werden Schwerter zu Pflugscharen, ausgebeulte Bundeswehrsäcke zu ausgegenderten Handtaschen und Wegwerfgegenstände zu etwas Wertvollem. Wie die Reste der Deutschen Einheit, zu dem wir auch immer das Sächsische rechnen wollen.

Wo wir grade bei Sachsen sind: Daneben liegt ja Sachsen-Anhalt, eine Region, die rein sprachlich auch schon nah ans Sächsische rückt. In dieser Region lebt jedenfalls ein Autor, der bei einer Lesereise durchs Land so viele Glatzen sichtete, dass er einem Freund per Facebook schrieb, er sei jetzt völlig frustriert und brauche jetzt einmal etwas Positives, einen „Cat Content“, also inhaltlich etwas mit Katzen. Der Freund, ein Student aus Heidelberg, stellte daraufhin lustige Katzenbilder ins Internet. Motto: „Katzen gegen Glatzen“. Auch ein Statement, dem wir uns voller Freude anschließen. Miau.

Apropopos Glatzen und Halbglatzen: Nun streiten sich die Humanisten Deutschlands, ob Sigmar Gabriel den Pöbel vor der sächsischen Flüchtlingsunterkunft denn „Pack“ nennen durfte, weil ja doch jedem Menschen, auch dem geistig Unsortierten, eine gewisse Würde zu komme. Grundsätzlich richtig, dennoch hat uns das „Pack“ gefallen. Und tröstlich (zumindest für Humanisten) wirkt die Erkenntnis: Pack schlägt sich, Pack verträgt sich.     

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