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Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Von Unterhemden und Kruzifixen
Nachrichten Politik Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Von Unterhemden und Kruzifixen
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17:58 27.04.2018
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Heute wollen wir das kurzärmelige Uniformhemd loben. Denn es setzt Maßstäbe. In Niedersachsen und über Niedersachsen hinaus. So ist in der Verwaltungsvorschrift „Äußeres Erscheinungsbild von Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten des Landes Niedersachsen“ geregelt, dass niedersächsische Polizeibeamte im Sommer nur dann kurzärmelige Hemden tragen dürfen, wenn darunter keinerlei Tätowierungen zu sehen seien - ein Punkt, den die niedersächsische FDP aufregt. Und zwar nicht erst seitdem aufregt, als sich FDP-Bundeschef Christian Lindner mit Haarersatz aber gänzlich untätowiert im Unterhemd profilierte. Nach Meinung des ebenfalls untätowiert auftretenden Landtagsabgeordneten Jan-Christoph Oetjen sollten die strikten Kleidervorschriften für Beamte gelockert werden, vor allem wenn es sich um unverfängliche Motive handele, wie etwa der Name des eigenen Kindes oder um sogenannte künstlerische Bilder. So streitet die FDP für mehr Tätowierungen inder Polizei. „Natürlich muss die Neutralitätspflicht der Beamten gewährleistet sein, was das zur Schau stellen von politischen Botschaften und Ähnlichem ausschließt“, schreibt Oetjen. Da kann man dem Abgeordneten nur zustimmen. So schauen wir dankbar in die Kleiderkammer der Landespolizei. Auf das kurzärmelige Uniformhemd, das bis zum 31.12. 2018 noch Maßstäbe setzt.

Die sind den Bayern jetzt völlig aus dem Blick geraten, die doch wirklich in allen Eingangsfluren von öffentlichen Behörden ein Kreuz aufhängen lassen wollen. Mein Gott, warum hast Du mich verlassen? Ist übrigens ein klassisches Zitat, gesprochen von einem, der am Kreuz hing. Und starb. Wie es hieß, zur Vergebung der Sünden.

An diesem Beispiel aus Bayern zeigt sich, dass Satire und Realität kaum noch auseinander zu halten sind - ein Phänomen, das uns nicht erst seit Donald Trump beschäftigt, der in Teilen der arteriosklerotischen Elite des untergehenden Abendlandes immer mehr zur Lichtgestalt avanciert, was für Teile Dunkeldeutschlands nichts Gutes verheißen muss. Doch wir schweifen ab. Eigentlich wollten wir noch die Meldung der Woche kreieren. Wir fanden sie am Dienstag bei der Deutschen Presseagentur: „Maikäfer fliegen früh - aber keine Gefahr für Niedersachsen“. Also Leute, jetzt nicht rasch den Luftschutzkeller aufsuchen, weil Ihr die Maikäfergeschwader heranbrausen hört. Und auch die Waldbesitzer in Niedersachsen bräuchten keinen maikäfermässigen Kahlfraß an ihren Bäumen zu befürchten, weil es nur geringe Maikäfer-Vorkommen in Niedersachsen gebe, gibt die DPA Entwarnung. Aber wir fragen uns jetzt: Ist das nun eine gute oder eine schlechte Nachricht?

Keine schlechte Nachricht ist die Kunde, die uns diese Woche aus Lüneburg erreichte. Da klagte der Verband der Schausteller vehement darüber, dass der wunderschöne, superteure Libeskind-Bau der Universität nicht die Glühweinbecher des Weihnachtsmarktes zieren soll. „Die Wissenschaft beschäftigt sich wohl nicht mit Alkohol“, grollte der Schausteller-Chef. So werden die Lüneburger künftig ohne die Weihen der Wissenschaft ins glühweingewärmte Glas blicken müssen. Prosit.

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