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Von karnevalesken Kollateralschäden

Glosse "Aus meinem Papierkorb" Von karnevalesken Kollateralschäden

Niedersachsenredakteur Michael B. Berger blickt am Ende jeder Woche in seinen (virtuellen) Papierkorb – und erzählt die Nachrichten, die liegen geblieben sind, aber doch Beachtung finden sollten. Diesmal: Von karnevalesken Kollateralschäden.

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Gibt es denn überhaupt kein Halten mehr? Nach Erdogan, Trump und der in Schleswig-Holstein eingefallenen Vogelgrippe auch das noch: Spermaknappheit. Zumindest im niedersächsischen Landtag, in dem die FDP jetzt in einer kleinen Anfrage zur schriftlichen Beantwortung wissen will: „Droht eine Spermaknappheit?“ Und was antwortet die Landesregierung: Fast nichts. Stellt sich einfach dumm, gibt vor, es lägen ihr keine Erkenntnisse vor zu einem Phänomen, das in Neuseeland schon zu außerordentlichen Mangelerscheinungen geführt hat. Berichten die FDP-Abgeordneten Sylvia Bruns und Christian Dürr. Seitdem nämlich in Neuseeland Kinder von anonymen Samenspendern einen ausdrücklichen Rechtsanspruch hätten, den Namen ihres Vaters zu erfahren, drohe diese Quelle generativen Fortschritts fast völlig zu versiegen. Fast zwei Jahre müssten Neuseeländer warten, die auf eine anonyme Samenspende zwecks künstlicher Befruchtung setzen. Skandal! Und was tut die Landesregierung? Fast nichts. Begrüßt lediglich „Überlegungen der Bundesregierung zur Schaffung eines Samenspenderegisters für Personen, die durch die heterologe Verwendung von Samen bei einer ärztlichen unterstützten künstlichen Befruchtung gezeugt sind.“ Aha. Das würde Klarheit schaffen. Sozusagen: Niedersachsen, klar.

 Das ist, nur zur Erinnerung, das neue Landeslogo, Klaro.

Die Eröffnung der Karnevalssaison liegt ja zum Ende dieser Woche bereits hinter uns, dafür liegt das Grauen noch vor uns, aber die Meldung vom „digitalen Schutz für Fasching, Fastnacht und Karneval“ ist noch auf dem Schreibtisch liegengeblieben. So bietet für 5,55 Euro jetzt eine hannoversche Versicherung einen 24 Stunden währenden „Tolle-Tage-Schutz“. Er soll gegen beim Karneval zugezogene Invalidität versichern als auch die Kosten „für kosmetische Operationen, Zahnbehandlungen und Zahnersatz infolge eines Unfalls“ übernehmen, also karnevaleske Kollateralschäden. Wir wussten schon, weshalb wir seit Jahrzehnten gegen die Ausbreitung des Straßenkarnevals in Norddeutschland anschreiben. Doch auf uns hört ja keiner! Deshalb können uns Trump oder Gruselclowns ebenso wenig schrecken wie das neblig-trübe Novemberwetter.

Die schönste Schlagzeile der Woche lieferte diesmal, Chapeau, die „Bildzeitung“: „Burka-Frau oben ohne“. Daneben sah man die zum Islam konvertierte Schweizerin Nora Illi, „Nikab-Nora“ gänzlich unverschleiert. Eine ernüchternde Erscheinung, aber besser als bei ihrem Auftritt bei Anne Will.

Jetzt zum „Discours sur ‘lamour“ zu überleiten, den Landtagspräsident Busemann, der Schwerenöter, nächsten Montag ausgerechnet in der Präsidentensuite des Leineschloss veranstaltet, ist nicht ohne Pikanterie. Doch keine Angst: Es geht nicht um Sex, sondern nur um „Leibniz und die fürstlichen Frauen“. Das Leineschloss, so der Präsident, gehöre zu den zentralen „Erinnerungsorten“ an Gottfried Wilhelm Leibniz. Hier habe der Universalgelehrte mit den Frauen des Hauses Hannover seine Philosophie entwickelt. Achso. Alles klar.

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