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Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Worte mit Wumms zu Weihnachten
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21:15 22.12.2018
Michael B. Berger Quelle: HAZ
Hannover

Na, endlich. Das ist der lang ersehnte Ruck, der durchs Land geht. Nein, nicht das Ansinnen der SPD den ollen Sarrazin aus der Partei zu werfen, als ob es nicht jetzt schon einen Wähler- und Mitgliederschwund gäbe. Nein, wir meinen das Machtwort, das Armin Laschet jetzt allen Weihnachtsfest-Verächtern entgegengeschleudert hat. „Laschet stellt klar: Weihnachten gratuliert man zu Weihnachten“, titelte die Deutsche Presseagentur. Und Laschet, dem man immer noch anmerkt, dass er einst einen kirchlichen Wochenboten herausgab, sagte im schönsten rheinischen Singsang: „Ich halte es für eine pure Selbstverständlichkeit, dass man, wenn Weihnachten ist, nicht zu Season‘s Greetings oder was auch immer gratulieren will, sondern ein gesegnetes Weihnachten.“ Verstanden, Frau Widmann-Mauz? Die hatte ihre Weihnachtskarte doch mit dem Spruch „egal, woran Sie glauben“ garniert. Wo kommen wir denn dahin? In Deutschland gibt man sich die Hand! Setzen!!

So, nachdem das nun ein für alle Mal klargestellt ist, können wir zum Karpfen schreiten – auch so eine invasive Art, die einst aus den Tiefen Sibiriens und Chinas zu uns nach Mitteleuropa geschwommen ist und die, wenn sie nicht ausreichend gewässert wird, uns jenen alten 68er-Spruch unter die Nase reibt, der da lautet: „Unter den Talaren der Muff von 1000 Jahren“. Aber wir schweifen ab, dies aber auch nur, weil auch Weihnachten ein Fest der Aus- und Abschweifung ist, nicht nur wegen des Schweifs vom Stern von Bethlehem. Aber Weihnachten ist auch das Fest der guten Ratschläge, wie es uns jetzt der Grünen-Landtagsabgeordnete Dragos Pancesko in einer Pressemitteilung deutlich machte: „Mehr Liebe und Regionales schenken als Elektronik, die gebaut ist, um kaputt zu gehen.“ Worte mit Wumms.

Mehr Liebe schenken, ja, das hat sich auch der Richter gedacht, der einen notorischen Wilderer in Missouri dazu verdonnerte, im Gefängnis immer wieder Walt Disneys wunderbaren Zeichentrickfilm „Bambi“ zu sehen – die Geschichte eines mutterlos aufwachsenden Hirschkitzes, der mit seinen Freunden „Blume“ (einem Stinktier) und „Klopfer“ (einem Wildkaninchen) durch den Wald eilt, um Abenteuer zu erleben. Bambi wurde mutterlos, weil ein Wilderer ohne Erbarmen schoss. Filmgenuss zur seelischen Besserung – das hat was. Ob es funktioniert, ist eine ganz andere Frage. Aber vielleicht könnte man im Vollzug es einmal mit Käßmann-Hörbüchern versuchen: „Folge dem, was Dein Herz Dir rät….“

Ach, es weihnachtet doch schon sehr in dieser Kolumne, obwohl uns erst der Vierte Advent bevorsteht, dem allerdings in Folge einer unheimlichen Kalenderkonstruktion sofort Weihnachten folgt, als hätte es die Klage über die ausbleibende Wiederkunft Christi nie gegeben. Was, schon Weihnachten? Wir hatten doch gerade den 4. Advent... Aber was soll‘s. Selbst der ADAC, Deutschlands Sammelbecken für den Sprit spritzenden allgemeinen Rest, frohlockt laut dpa: „Freie Fahrt an Weihnachten – nur eine Autobahnbaustelle zu Weihnachten.“ Die ist übrigens auf der A 2. Aber wo wird nicht verraten, denn hier geht‘s heute zu, wie bei der Geschenkeverteilung unterm Tannenbaum: Selber suchen! Frohes Fest….

Von Michael B. Berger

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