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Vom Kreuther Wildbad und Riesen-Lastern

Aus meinem Papierkorb Vom Kreuther Wildbad und Riesen-Lastern

Michael B. Berger mit einem satirischen Rückblick auf die Woche. Heute über Pottwale, Angela Merkel in Wildbad Kreuth und den "Lang-Elkaweh" auf niedersächsischen Straßen.

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Quelle: HAZ

Elkaweh 4,55 MB

In diesen orientierungslosen Zeiten, in denen die CSU trotz eingeflogener Kanzlerin selbst im Wildbad Kreuth keine Tröstung findet, möchte man kein junger Pottwalbulle sein. Denn so mächtig, wie dieses wunderbare, auf Wangerooge und anderen Nordsee-Eilanden gestrandete Tier in den Nachrichtenspalten norddeutscher Zeitungen aufgeschlagen war, so schnell ist es auch wieder verschwunden. Was für ein Ende. In einer Tierkörperverwertunganstalt in Friesoythe. Portioniert und zerrieben in einem Anwesen, das die schnöde Adresse „Zur Fleischmehlfabrik 1“ hat. Nur ein Krake, den man in dieser Größe in der Nordsee wohl nicht finden wird, soll sich im Magen des letztlich verhungerten Tieres befunden haben, das nur noch in fulminanten Romanen als „Moby Dick“ und Rächer der Weltmeere auftreten kann und heutzutage weit davon entfernt ist, einen Propheten auszuspeien.

So stellt sich auch an dieser Stelle die alte Frage: Was bleibt? Im Fall der Kreuther Versammlungen fast nichts. Im Fall des Wales immerhin ein unbeschreiblicher Geruch, der zwischen Dieselöl, Lebertran und anderen Elixieren des Teufels changieren soll und schwer aus den Klamotten zu bringen ist. Sowie die unbeugsame Kraft der Erinnerung an ein mythologisches Wesen und einen Herrscher der Ozeane, als den man sich Horst Seehofer nun wahrlich nicht vorstellen kann. Ist ja auch kein ganz junger Bulle mehr ...

Existenzielle Fragen stellen sich nun auch dem deutschen Karneval, einer der aberwitzigsten Veranstaltungen seit dem Ende der Kreuzzüge. Wie soll man auf Armlänge Abstand halten, wo doch das Unterhaken und Schunkeln als des Kölners größte Freude gilt? Wohin mit all dem rheinischen Frohsinn und den sogenannten Bützjes, wie das Köllner Urvolk den Wangenkuss mit geschlossenen Lippen nennen soll, wenn in der aufgepeitschten Menge schon nordafrikanische Sexgangster auf Opfer lauern? Und im Braunschweiger Karneval als Cowboy so ganz ohne Knarre aufzutreten ist wie ein Ölscheich in Davos, der keine Kohle hat. Nur die Kanzlerin schiebt sich mühsam durch die Menge: als Motivwagen in mancherlei Gestalt.

So sind wir dem hannoverschen CDU-Abgeordneten Dirk Toepffer dankbar, dass er trotz Terror- und Karnevalsgefahr den Blick auf andere Probleme lenkt, etwa auf den Gigaliner, dessen freie Fahrt auf deutschen Bahnen noch keine ausgemachte Sache ist. „Minister Lies muss SPD-Genossen beim Thema Lang-Lkw zur Vernunft bringen“, hat Toepffer diese Woche zu Papier gegeben. Und man muss diesen Satz nur langsam drei- bis viermal laut vorlesen, um die lyrische Wucht des Textes zu erahnen. Der so angerufene Verkehrsminister Lies hat prompt geantwortet und die Genossen in Berlin aufgefordert den „Lang-Lkw nicht vorzeitig totzureden“. Lang-Elkaweh klingt viel niedlicher als Gigaliner oder Riesen-Laster, wie ihn die Gegner der 25 Meter langen Giganten nennen. Auch im viel beschworenen Schweine-, Rinder-, Pferde- und Transitland Niedersachsen.

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