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Dumme Sprüche, kleine Brötchen

Aus meinem Papierkorb Dumme Sprüche, kleine Brötchen

Niedersachsenredakteur Michael B. Berger blickt am Ende jeder Woche in seinen (virtuellen) Papierkorb – und erzählt die Nachrichten, die liegen geblieben sind, aber doch Beachtung finden sollten. Heute: Von dummen Sprüchen und kleinen Brötchen.

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Quelle: HAZ

So langsam wird uns die Tweedjacke aber doch unheimlich. Was meinte der Herr im grün-braunen Drillich mit seinem Satz: „Wir werden sie jagen, wir werden unser Land und unser Volk zurückholen“? Heim ins Reich? Zurück von wo? Oder ruft er wie weiland Loriot: Wo laufen Sie denn, wo laufen Sie denn? Ein Land ist doch kein Freigänger, der hin und wieder Ausgang hat. Und wohin ist denn das deutsche Volk verschwunden, wenn es jetzt von dem Herrn Gauland zurückgeholt werden soll? Ach, lass fahren dahin.

Alles nicht so gemeint, meint Gaulands Freund, der frühere ARD-Korrespondent Armin-Paulus Hampel. Das mit dem „Jagen“ sei halt Wahlkampfrhetorik. Und das mit dem „Entsorgen“ auch. Habe doch jeder schon mal gesagt, dass dieser oder jener in Brüssel „entsorgt“ werden solle. Bei den derzeitigen Spesensätzen der EU-Diplomaten wäre eine „Entsorgung“ in Brüssel tatsächlich eine Rundumsorglos-Veranstaltung. Aber eine auf türkischen Wurzeln fußende Integrationsbeauftragte „in Anatolien entsorgen“, wie es Gauland empfahl, klingt doch etwas anders. Man sei halt „kein Gesangsverein“, hat Gaulands Waffenbruder Hampel diese Woche erklärt. Man wird sehen. Und hören: Sprüche aus dem „gärigen Haufen“, wie Gauland die eigene Truppe bezeichnete. Unter „Gärung“ versteht man übrigens, so das Lexikon, eine „erkennbare Veränderung biotischer Stoffe ohne Entstehung von Fäulnisgerüchen“. Ganz ohne Fäulnisgeruch? Nicht immer stimmt die Chemie.

Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s gänzlich ungeniert: Sie hat wohl einen Witz machen wollen, die neue SPD-Fraktionsvorsitzende Andrea Nahles, als sie zur CDU sagte, „ab morgen bekommen sie in die Fresse“. O, si tacuisses, Andrea. Sie hätte doch lieber schweigen sollen, anstatt mit vulgären Parolen um sich zu werfen. Wir haben noch den nasalen Sound des einstigen CDU-Kanzleramtsministers Ronald Pofalla im Ohr, der zum CDU-Abgeordneten Wolfgang Bosbach meinte: „Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen.“ Nicht überall entfaltet dieser Ruhrpottjargon einen wirklich guten Klang.

Wo bleibt nur unser Gute-Laune-Bär und Noch-Bundesaußenminister Sigmar Gabriel? Seitdem er so drastisch abgenommen hat, hat er an Format gewonnen. Das soll dem alerten Dialektiker mal einer nachmachen. Aber plötzlich hört man nichts mehr von ihm. Man sieht ihn nicht. Auf dem traditionellen Gruppenbild der SPD am Abend des Wahlsonntags stand er ganz hinten, schon in der Kulisse. Ein Mann verschwindet ...

Dass die Kirche auch nur kleine Brötchen backt, konnte man diese Woche in Hannover erleben, als Bäckerinnung, Landesbischof und Bettina Wulff süße Dinge für einen guten Zweck backten, für eine Spende an Brot für die Welt. Neben dem Reformationstag, den Ministerpräsident Stephan Weil als Wahlgeschenk dauerhaft als Feiertag unter das Volk bringen will, gibt es jetzt auch „Reformationsbrötchen“. Neben dem Playmobil-Luther eine weitere Errungenschaft des Reformationsjahres. Beten für den Frieden, backen für Gerechtigkeit.

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