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Einen Bock bauen in Wolfsburg

Podcast-Glosse Einen Bock bauen in Wolfsburg

Da sage doch keiner, dass in den niedersächsischen Weiten im Sommerloch nichts los ist. „Rehböcke im Liebestaumel“, verkünden die Niedersächsischen Landesforsten und mahnen zur Vorsicht im Straßenverkehr. Denn beim Durchfahren von Waldbereichen gelte derzeit vor allem eine Regel: „Dem ersten Reh folgt sicher noch ein Zweites!“

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Wer sich nun fragt, warum dem ersten stets ein zweites folge, wird auf eine saisonale Tücke des Hormonhaushaltes hingewiesen. In diesem Monat bis in den August ist Paarungszeit. Da sind, wie die Landesforsten schwärmerisch formulieren, die „Rehböcke im Liebestaumel“. Prompt denkt man daran, ob das degoutante Verhalten eines Monsieur Strauss-Kahn zumindest für Böcke stilbildend gewesen sein mag, denn die Landesforsten führen weiter aus: „Das Paarungsverhalten des Rehwildes zeichnet sich durch stundenlanges Treiben der weiblichen Tiere durch den männlichen Rehbock aus, bis schließlich die Ricke oder das Schmalreh dem männlichen Charme erliegen.“ Dem „männlichen Charme“ (o lala) also erliegen sie, die dummen Dinger.

Das Treiben soll übrigens häufig in kreisförmigen Bahnen geschehen und so im Getreide die ominösen „Hexenringe“ hervorzaubern. Dabei verlören die Böcke „im Zuge ihres hohen Hormonspiegels“ die arttypische Scheu und Vorsicht. Von Anstand und Moral ganz zu schweigen. Stattdessen liefen sie stur der Ricke nach – eben auf unsere Verkehrswege.

Der Podcast zum Herunterladen:

Vielleicht erklärt die Tatsache, dass Wolfsburg einst von riesigen Wäldern umgeben war (bis der Führer wegen seiner Kraft-durch-Freude-Stadt alles plattmachte) noch heute die Tatsache, dass ICE-Fahrer am liebsten ganz schnell durchdüsen, um möglichst nicht einem liebestollen Bock auf die Sprünge zu helfen. Instinktiv wird in Wolfsburg nicht haltgemacht, sondern lieber bis Stendal weitergebrettert. Da mag der Wolfsburger OB Schnellecke noch so sehr grollen, Wolfsburg sei „keine Kuhstadt“. Nein, Kühe wird man hier nicht auf den Gleisen finden, aber hier und da mal einen Volkswagen. Und noch einen. Und noch einen.

Wir möchten jedoch an dieser Stelle noch einmal den ICE-Triebkopfführer loben für seine Liebe zur Geschwindigkeit und die stilsichere Distanz zum Bremsknopf. Es gibt noch viel mehr Orte, die eine rasche Durchfahrt empfehlen, nicht jeder Boxenstopp in Braunschweig, Laatzen, Bielefeld ist lohnenswert. Und: Vergesst doch endlich Kassel, das eigentlich gar keinen Bahnhof hat. Allerdings kann nicht jeder Fahrer, der einen Bock baut, sich damit rechtfertigen, er befände sich im Liebestaumel.

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