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Elegie auf einen Sommer

Aus meinem Papierkorb Elegie auf einen Sommer

Jetzt, wo sich der Sommer, nun ja, geradezu verpisst, und die Nacktschnecken sich nur noch fett aus der Rinne robben, kommen auch die Politiker endlich zu sich – und uns.

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In sogenannten Sommerreisen schleimen sie sich durchs Land, besichtigen Kirchen und profane Heiligtümer, begrüßen Firmenchefs, stürzen sich in Achterbahnen oder geben in Sommerinterviews derbe Sprüche über Mutti und den Rest der Bagage zum Besten. Und finden sich im großen Ganzen ganz toll und in vielen Berichten wieder.

Manchmal, wenn sie zu Amt und Würden gekommen sind, zieht ein Tross von Berichterstattern hinter ihnen her oder lässt sich kutschieren in großen Bussen quer übers Land. Dann rollen die ganz Großen der Zunft, die Kollegen aus der Reichshauptstadt, ein in die Provinz und fragen den Provinzhauptmann immer wieder bohrend mit investigativ zerknautschter Stirn, ob er denn nicht der kommende Mann sein werde. Am Ende aller Tage, wenn der Frohsinn regiert und Mutti es nicht mehr macht.

Und unser Landeshauptmann verweigert dann stoisch die Antwort auf die Frage aller Fragen, die doch einer stupenden Ideenlosigkeit entsprungen zu sein scheint. Und vermutlich diebisch freut sich der gefragte Landesherr über das ungemeine große Interesse an seiner doch so betont bodenständigen Person. Das ist dann der Höhepunkt der Weisheit einer Reise, die politisch dem Sommer eine Krone aufsetzen soll.

Dabei gibt es einen Ort, wo man auch ohne Politikerbesuch ganz zur Besinnung kommt. Nein, nicht den Landtag, der jetzt Pause hat und die Politiker in die Sommerreise entlässt. Ja, das Museum ist gemeint, einst Weihestätte der Musen, göttergleicher Frauen, die uns lehrten zu singen, zu tanzen, Flöte zu spielen, Komödien zu verfassen wie auch Gedichte, Lieder zu komponieren wie auch Satiren. Klio, Thalia, Polyhymnia und Kalliope (um nur einige zu nennen) hießen die olympischen Musen, von denen wir bodenständigen Niedersachsen oft nicht den Hauch einer Ahnung haben.

„Berichte mir, Muse, die Taten des vielgewanderten Mannes, welcher so weit geirrt, nach der heiligen Troja Zerstörung“, ließ einst Homer seinen Odysseus stammeln. Bis ihn keiner mehr verstand, und aus dem Musentempel der Griechen das deutsche Museum entstand: Festgemauert in der Erden, dem Olymp so weit entrückt.

Der Podcast zum Herunterladen:

Ist es da ein Wunder, dass die Niedersachsen „Museumsmuffel“ geblieben sind, wie die Deutsche Presse-Agentur diese Woche vermeldet?

Ach, Muse, du bist entschwunden wie der Sommer. Und kommst nimmer zurück. Selbst wenn überall in Niedersachsen für Millionen neue Museen entstehen, die keiner von uns Mufflons wirklich braucht. Am wenigsten ein Museum für Speere (!) im gottverlassenen Schöningen, das an Helmstedt grenzt. Beim Zeus, das ist doch ein Hammer!

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