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Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Gab es ein Leben vor den Panama Papers?
Nachrichten Politik Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Gab es ein Leben vor den Panama Papers?
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20:00 15.04.2016
Von Michael B. Berger
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Es gibt Meldungen, deren Überschriften einen geradezu in den Text reißen. Etwa die Meldung 1883, die die Deutsche Presseagentur diese Woche verschickte. Überschrift: „Nicht aussitzen: Bei Anzeichen für Hämorrhoiden zum Arzt.“ Vielleicht sei noch der erklärende Zusatz der niedersächsischen Apothekerkammer hinzugefügt, dass sich so ein H-Problem keinesfalls von selbst erledige. Erste Warnhinweise könnten übrigens Druckgefühl oder Juckreiz sein. Apropos: Juckreiz. Einen solchen verspüren wir nicht nur beim Thema Böhmermann sondern auch bei den täglichen Meldungen zu den sogenannten Panama-Papers, die uns mit einer gewaltig orchestrierten, von NDR-WDR-DDR-Recherchenetzwerk untermalten Musik ins „Schattenreich“ der Offshore-Briefkastenfirmen ziehen sollen, wo der Postman niemals zweimal klingelt und über das der SPD-Bundesvorsitzende Sigmar Gabriel jetzt den wunderbaren Satz sagte: „Die Steueroase bleibt eine Gerechtigkeitswüste.“

Schon klar, die Wüste lebt. Aber Gerechtigkeit? Gibt es in der Wüste Gerechtigkeit? Immerhin gibt es dort die Sittenpolizei, die es in der SPD noch nicht gibt, obwohl es auch hier manchmal wüst zugeht. Denn sonst dürfte der Große Vorsitzende keine kleinen, vorwitzigen Jusos schurigeln. Aber, lieber Siggi, auch die Sittenpolizei ist von Macht- und Ansehensverlust gleichermaßen gekennzeichnet und kassiert immer schlechtere Umfragewerte, aber, psst.. nicht verraten. Zumindest in Saudi-Arabien muss sie jetzt Macht abgeben und darf niemanden mehr anhalten, festhalten, persönlich gängeln oder nach Ausweisen befragen, sondern muss bei Verstößen gegen die Gebetszeiten oder das Alkoholverbot künftig die „normale“ Polizei einschalten. Wenn das kein Fortschritt ist. Übrigens soll auch Hitler das Bernstein-Zimmer in einer Briefkastenfirma versteckt haben. Aber das enthüllen wir übermorgen...

Eine Enthüllung, die uns das Lachen im Halse stecken ließ und den Atem gefrieren, war die Nachricht, dass Helmut Kohl eine Geliebte gehabt haben soll, mit der er heimlich Rinderrouladen aß. Wir waren ja nicht dabei, als der sprichwörtliche Sack Reis in China umfiel, aber welches Geräusch er machte, als er knarzend zu Boden sackte, wird gewiss auch noch enthüllt. Warum Kraken eine so hohe Intelligenz haben, wird gewiss auch bald geklärt wie auch die Frage, warum ein Drogensüchtiger seine tägliche Portion Marihuana ausgerechnet im Hundefutter versteckte. Wir raten ihm jedenfalls ab, in die Bundespolitik zu gehen. Indes die Frage bleibt: Gab es ein Leben vor dem Panama-Papers?

Aber so haben wir immerhin das Flüchtlingsthema in den Nachrichtenspalten gerettet, auch wenn Steuerflüchtlinge wesentlich besser gekleidet sind als boat-people und als wesentlich schwimm- und anpassungsfähiger gelten, also als leicht integrierbar. Das Kapital ist eben ein scheues Reh, wie der alte Kalle Marx sagt.

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