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Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Von großen Führern und großen Sprüchen
Nachrichten Politik Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Von großen Führern und großen Sprüchen
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20:56 15.06.2018
Grafik Quelle: RND
Hannover

Immer mehr Tierfreunde sollen damit liebäugeln, nach dem Ableben ihres Freundes auf vier Pfoten das geliebte Gegenüber auszustopfen. „Nach zwei Wochen haben wir sie wieder nach Hause geholt“, schrieb jüngst ein Tierfreund. Der Peter liege nun auf einem Kissen im Regal. Führende Psyschologen warnen allerdings vor dieser Art der Konservierung, auch wenn es für einen Moment tröstlich sein könnte, den geliebten Freund noch ein wenig zu streicheln oder geräuschlos im Regal liegen zu sehen. Doch wichtiger als den Kater auszustopfen sei es, die Verlustängste aufzuarbeiten, seinen Trennungsschmerz zu bearbeiten. Wir kommen auf das Thema Verlustängste nur, weil der frühere Parteivorsitzende Sigmar Gabriel der SPD angeboten hat, ihn ausstopfen zu lassen. Gabriel reagierte damit auf eine Wahlanalyse, in der geschrieben stand, dass die Partei „Geisel seiner Launen und taktischen Manöver“ gewesen sei. „Ich bekenne mich schuldig“, soll Gabriel ironisch gekontert haben. Er werde testamentarisch verfügen, dass die SPD ihn ausstopfen und dann in den Keller des Willy-Brandt-Hauses stellen könne. „Und immer wenn sie einen Schuldigen brauchen, dürfen sie mich rausholen.“ Wunderbar, Gabriel forever.

Aber es ist schon eine komische Vorstellung, wenn plötzlich neben der großen Willy-Statue ein Sigmar Gabriel als Leibhaftiger aus dem Keller geholt wird. Zumal das Einbalsamieren oder Ausstopfen von toten Politikern im freien Westen bisher noch nicht so angesagt war. Aber die Zeiten können sich ändern, wie wir etwa am großen Friedensstifter Donald Trump sehen kann, der nach unbestätigten Gerüchten daran denken soll, sich von Melania zu trennen und den „Raketenmann“ Kim Jong-Un zu ehelichen. Die beiden könnten wir uns übrigens auch sehr gut ausgestopft vorstellen. In einem Horrorkabinett.

Wo wir grade beim blanken Horror sind: Der wunderbare Recep Tayyip Erdogan fühlte sich doch tatsächlich durch einen Titel des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ geehrt, das ihn in einem kritischen Artikel über das „Zeitalter der Autokraten“ neben Trump, Putin und dem chinesischen Staatschef Xi Jinping aufführte. „Sie haben mich als einen von vier Führern bezeichnet, die die Zukunft prägen“, frohlockte Erdogan. Wenn das der Führer wüsste….

Der Übergang zur niedersächsischen Landespolitik ist jetzt ziemlich abrupt, weil es der niedersächsischen Tiefebene absolut an Führerfiguren gebricht. So eignet sich auch Niedersachsens früherer Wirtschaftsminister Jörg Bode trotz starker Sprüche nicht zum großen Führer, zumal er von urdemokartischer Gesinnung ist. Als Oppositionspolitiker hat sich der FDP-Mann zum steten Mahner des Aufbruchs entwickelt. Erbarmungslos, wie er diese Woche eine Ankündigung von Europaministerin Birgit Hone zum Digitalausbau geißelt: „Wer sich bis jetzt weiter im Klein-Klein verliert, hat den Ernst der Lage nicht erkannt. Während Elon Musk ankündigt, 2024 die ersten Menschen zum Mars zu bringen, zählt Niedersachsen noch Funklöcher.“ So sind wir, die Niedersachsen. Sturmfest und erdverwachsen.

Von Michael B. Berger

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