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Kämpfen – bis die Hüfte wackelt

Aus meinem Papierkorb Kämpfen – bis die Hüfte wackelt

Niedersachsenredakteur Michael B. Berger blickt am Ende jeder Woche in seinen (virtuellen) Papierkorb – und erzählt die Nachrichten, die liegen geblieben sind, aber doch Beachtung finden sollten.

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„Röhren, bis der Rivale wegrennt“, überschrieb die Deutsche Presseagentur eine packende Reportage aus dem Niedersächsischen. Nein, nein, da ging es nicht um das Fernsehduell zwischen Ministerpräsident Stephan Weil und seinem CDU-Herausforderer Bernd Althusmann, sondern um die Hirschbrunft im Solling. Da gibt es allerdings Parallelen - nicht nur, dass die Brunftzeit Mitte Oktober endet. Auch dass der Platzhirsch losrennt und direkt auf seinen Kontrahenten zu, könnte auf den Wahlkampf zutreffen. Allerdings verlieren die Spitzenkandidaten während der Brunftzeit nicht ein Drittel ihres Körpergewichts wie ein veritabler Achtzehnender. Und Bernd Althusmann rennt auch nicht einfach weg, wenn der Platzhirsch naht, sondern tänzelt eher, wie wir aus der „Bunten“ wissen, um den Alten herum. Getreu seinem Motto: „Ich tanze durch mein Leben.“ Das kann man von Stephan Weil so nicht behaupten, der, wenn er animiert zu sein scheint, eher lustig mit dem Kopf wackelt. O boys, willkommen im „La-La-Land“ Lower Saxony.

Aber am Montag machen wir von der Schreibwerkstatt getrost drei Kreuze, wenn alle am Sonntag ihre zwei Kreuzchen gemacht haben. Denn der Wahlkampf ähnelt doch stark der sogenannten fünften Jahreszeit, dem Karneval. Endlich Schluss mit den Übertreibungen und Beschimpfungen, die auch diese fünfte Jahreszeit begleitet haben. „Klarer Sieger des Fernsehduells war Stephan W.“, röhren die einen,  „Nein, klarer Sieger war Bernd. A.“, röhren die anderen. Ach herrje, die Schönheit liegt doch stets in den Augen des Betrachters - und der jeweiligen politischen Großhirnrinde. Aber die Frage bleibt: Gibt es ein Leben danach, ein Leben ohne Wahlumfragen? Was machen wir nur ohne Demoskopen, den sogenannten Volksbetrachtern, wie aus dem Altgriechischen heißt? Nur, dass die modernen Prognostiker nicht mehr in Tiereingeweide schauen oder die Kristallkugel zu Rate ziehen müssen...

Apropos Vogelschau: Der Wattenrat Ostfriesland hat die an diesem Sonnabend beginnenden Zugvögeltage kritisiert. Zwar sei es zu begrüßen, dass Zugvögel aus Nordeuropa und Asien eine große Aufmerksamkeit bekämen, heißt es einer Presemitteilung. Doch ziehen die Zugvögel eben tausend andere komische Vögel an, die mit Rad, Bus und Schiff ans ostfriesische Watt strömten, um dort die Gäste aus Nordeuropa oder Asien zu bestaunen: So spielt halt eins ins andere, wird der vermeintliche ruhige Rückzugsort zum Tourie-Tempel.

Und was bleibt? Über das Wolfsmanagement wird sicher auch über den Wahltag hinaus gestritten, wobei uns ein Rätsel bleibt, wie die Worte „Wolf“ und „Management“ zueinander fanden, weil sich der freiheitsliebende Wolf eben nicht managen lässt wie ein lausiger Angestellter oder Landtagsabgeordneter. Landesumweltminister Stefan Wenzel könnte indes schon jetzt seine politischen Memoiren unter dem Titel „Der mit dem Wolf tanzt“ erscheinen lassen, denn das Wackeln mit den Hüften sollten die Grünen nicht der Union überlassen, zumal sie in Berlin mit der Union den „Fluch der Karibik“ auferstehen lassen wollen. Klabautermann, Ahoi.              

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