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Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Neun Gehirne müsst ihr haben
Nachrichten Politik Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Neun Gehirne müsst ihr haben
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18:09 24.06.2011
Von Michael B. Berger
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Sind verdammt intelligent, die Tiere, schreibt eine Tierrechtsorganisation und protestiert dagegen, dass man die süßen Kraken auch zur Frauen-WM als „Orakel“ missbrauchen will, weil der gute, leider verstorbene Krake „Paul“ bei der Männer-WM sich als so treffsicherer Prognostiker erwiesen hat. Befreit alle Oktopusse aus Aquarien, Zoos und Schwimmbehältern, lautet die Forderung der Tierrechtler, die wir hier einmal unkommentiert wiedergeben.

Die Sache mit den neun Gehirnen war uns jedenfalls neu. Das ist mehr an Denkvermögen, als einem gewöhnlichen Braunschweiger, Oldenburger oder auch Osnabrücker in die Wiege gelegt worden ist. Ein Braunschweiger würde, so vermuten wir, bereits bei zwei Gehirnen in unkoordinierte Schwingungen geraten, die einen Menschen flugs in eine Art thalassale Regression versetzen würden. Das ist so ein Gefühl, von dem Lyriker geschwärmt haben – eine Art Rückzug in die unendlichen Weiten der mütterlichen Fruchtblase. Doch wir lassen uns treiben ...

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An dieser Stelle könnten wir jetzt mal so richtig den „Gutmenschen“ raushängen lassen, über den neuerdings sogar Anne Will diskutieren lässt. Ist doch irre, wie dieser Begriff, den vor dreißig Jahren fröhliche Satiriker wie Eckhard Henscheid oder andere dem Volk vors Maul gekrümelt haben, Breitenwirkung erzielen und zu einem politischen Kampfbegriff verkommen konnte, den vor allem die „Bösmenschen“ ihren Gegnern unter die Nase reiben. Klingt doch voll nach Kindergarten, doch das reicht fürs politische Feuilleton, in dem Margot Käßmann, die Mutter Beimer der deutschen Theologie, mit einem breitbeinig dasitzenden (ja, Herrgottzeiten, wo bleibt denn die bürgerliche Erziehung?) Politikwissenschaftler debattieren kann, ob man mit den Taliban nun besser beten oder kneten sollte. Wir empfehlen: besser nicht.

Doch noch schlimmer sind „Tatorte“ über Frauenfußballmannschaften, in denen der leibhaftige DFB-Chef auftaucht. Da kommt man auch als simpler Einhirn-Hannoveraner gewaltig durcheinander und fragt sich: Was ist jetzt Scherz, Satire oder tiefere Bedeutung?

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„Warte, warte nur ein Weilchen, bald kommt Haarmann auch zu Dir, mit dem kleinen Hackebeilchen, macht er Leberwurst aus Dir ...“ So haben wir in Kindertagen gesungen. Sie erinnern sich? Haarmann, ein unsympathischer Typ mit Hitlerbärtchen, der es in Hannover zu einiger Prominenz gebracht hat. Ziemlich unappetitliche Angelegenheit.

Michael B. Berger 17.06.2011

Da ist man nur noch baff. Wir erleben derzeit die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen in einer ungeheuren Geschwindigkeit – die Rückkehr des Hawai-Toasts und der Bohnen- und Dosenmaissalate sowie das Ende der Atomkraft. Himmel und Erde mögen vergehen, aber Angie bleibt, während der Wertewandel so flott daherkommt wie der Flotte Otto in den Zeiten der Cholera.

Michael B. Berger 10.06.2011

Es ist grausam und wiederholt sich immer wieder: fressen, saufen, fressen. Fressen, saufen, spinnen, wickeln. Eichen schwächen, Kahlfraß spenden. Es ist ein Jammer. Immer wenn es heiß und feucht wird, gilt der alte Merksatz: Wo man hinspuckt, keimt es.

Michael B. Berger 27.05.2011
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