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Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Die Mutter aller Murmeleien
Nachrichten Politik Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Die Mutter aller Murmeleien
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12:04 10.09.2018
Hannover

Mama mia. Jetzt auch noch die „Mutter aller Probleme“. Von der hat Horst Seehofer gemurmelt, der Vater aller Fast-Rücktritte. Und „die Migration“ hat der Horst-Sie-dürfen-das alles-senden mit der Mutter aller Probleme gemeint. Und wieder gibt es einen Haß-Sturm und alle sind aufgebracht. Überhaupt: Was wären wir ohne die derzeit um sich grassierende Empörung? Immer feste druff.  Haust Du meinen Sachsen, haut der einen Ausländer. Mal ehrlich: Es sind ja doch echte Sympathen, die man da in Chemnitz in die Videokameras hat blicken sehen. Deutsche Männer mit deutschem Gruß. Nein, das war doch kein Mob, hat der sächsische Ministerpräsident gesagt. Und der Bundesverfassungsschutzpräsident setzt noch eins drauf. Alles Fake News? Also: Nicht ganz Sachsen ist braun. Oder schwarz. Oder schwarzbraun wie die Haselnuss. Schwarzbraun bin auch ich, ja ich, Schwarzbraun muss mein Mädel sein, gerade so wie ich…. Achja, Heino, das waren Zeiten...

Dem täglichen Unsinn, den auch die Politik produziert, ist mit erhöhter Sinnproduktion nicht mehr beizukommen, das zeigen die immer neuen Erregungsdebatten immer wieder. Wobei das rethorische Mutter-Gefasel wiederum auf Saddam Hussein zurückgeht, der vor gut 28 Jahren den anstehenden Zweiten Golfkrieg als „Mutter aller Schlachten“ titulierte und nicht gänzlich falsch lag, Denn seitdem kam die Region nie richtig zur Ruhe. Und  die „Neue Weltordnung“, von der noch George Bush träumte, kam auch nie zum Tragen. Aber was waren das noch für Zeiten, als das White House nicht als „Crazy House“ betrachtet wurde. Da kann man schon fast nostalgische Gefühle entwickeln, obwohl auch damals die Zeiten alles andere als komisch waren. 

Nur gut, dass die Große Koalition in Niedersachsen in Zeiten der Großen Unordnung und in Wochen, in denen der „Tag des Kopfschmerzes“ zerembral gefeiert wurde, die Stellung hält. So wie eine Schwalbe noch keinen Sommer macht, „läßt der Schutz der Schnepfe nicht die Große Koalition zerbrechen“, hat  der weise CDU-Landtagsfraktionsvorsitzende Dirk Toepffer unlängst zum Gefecht zwischen Umweltminister Olaf Lies (SPD) und Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU)  gemeint. Wir verkneifen uns die Frage, wer denn mit der Schnepfe gemeint sein könnte. Schließlich ging es um das Wattenmeer und gehört der Herrenwitz nicht zu den geschützten Arten. Ganz im Gegensatz zum Mutterwitz, den etwa der große Philosoph Immanuel Kant  als Gegengift gegen alltägliche Eseleien einsetzte -  und veredelte. 

Aber Kant war kein Niedersachse, sondern gehörte zu Königsberg wie der Klops zur Kaper. Und zu Kants Zeiten hat man auch noch nicht über die betäubungslose „Ferkelkastration“ gestritten, wie sie in Niedersachsen nun endlich beendet werden wird, weil Otte-Kinast keine Mehrheit im Bundesrat zur Verlängerung von Ausnahmeregelungen bekam. Nun gibt es wieder einen neuen Knatsch zwischen Lies und Otte-Kinast, die sich in Zeiten der ewigen Harmonie zwischen den Roten und den Schwarzen zum Dream-Team gegen Langeweile in Hannover entwickeln könnten. Immerhin, es gibt noch Reibung.

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