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Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Von Apfeldieben und der Affenliebe
Nachrichten Politik Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Von Apfeldieben und der Affenliebe
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15:26 13.04.2018
Quelle: HAZ
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Sie sind groß, kugelig und hoch gebaut, ihre Farbe ist sonnig-gelb, an der Sonnenseite orangerot bis leuchtend erdbeerrot. Ihr Geschmack soll von süßfruchtig bis feinsäuerlich reichen. Die Rede ist von Äpfeln der Sorte Jonagold, die jetzt sogar in niedersächsischen Polizeiberichten vorkommen. Denn hatte der Reformator Martin Luther besorgten Christen noch geraten, angesichts des drohenden jüngsten Gerichts wenigstens ein Apfelbäumchen zu pflanzen, so geht das organisierte Verbrechen heute in größerem Maßstab vor. Vermutlich weil ihm das jüngste Gericht völlig schnuppe ist. Denn wie anders ist die jüngste Polizeimeldung aus dem Alten Land zu erklären, dass Unbekannte 36 junge Obstbäume der Sorte „Jonaprinz“ ausgegraben und weggeschafft haben? Auch wenn der Volksmund rät, a apple a day keeps the doctor away, ist die zweifellos heilsame Kraft von Äpfeln noch kein Grund, ganze Plantagen abzuräumen.

So ist also auch Niedersachsen keine Insel mehr im Meer der Kriminalität und muss man selbst im beschaulichen Alten Land die Apfelbäume anketten, damit sie nicht ausgerissen werden. Aber vermutlich leben in diesem Landstrich einfach zu viel junge Kerle, die noch imstande sind, Bäume auszureißen. Vielleicht sollte Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius, der gerade von einer Japanreise „mit frischen Ideen“ heimgekehrt ist, eine SOKO Apfel einrichten, um den Bestand niedersächsischer Plantagen zu sichern.

Gottlob gibt es in Hannover nicht so viele Apfelplantagen, sodass die Gefahr gebannt scheint, dass diese neue Form des Eigentumsdeliktes auch in den Süden Niedersachsens wandern könnte. Dafür gibt es um so mehr Hunde. Und ein Phänomen, das man früher vielleicht Affenliebe genannt hätte, das aber in und um Hannover in gewisser Weise auf den Hund gekommen ist. Genauer auf den Kampfhund, den man aber nicht so nennen soll, weil der Hund, so sagen es die Freunde des Staffordshire-Terriers, von einem Problem, das in der Regel am anderen Ende der Leine hängt, zum Kampfhund gemacht wird. Nun bangt ein nicht unbeträchtlicher Teil der Hannoveraner um ein „Chico“ genanntes Tier, das seine Halter totgebissen hat. Für die Vita eines Haus- und Hütehundes ist „Chicos“ Bilanz verheerend. Aber die tierliebende Welt kennt kein Halten mehr und verlangt für den Hund umfangreiche Untersuchungen und einen Psychiater, der ihm in die Hundeseele blickt. Sollte Hannover die Kür zur Kulturhauptstadt verpassen, raten wir, die Stadt zur Hundestadt zu erklären. Zumindest zu einer Kommune, in der gewisse Wertmaßstäbe auf den Hund gekommen sind.

Verrückte Welt. Nicht nur in Hannover. Hätte man sich jemals ausgemalt, dass ein US-Präsident per Twitter droht, „schöne, neue und smarte Raketen“ nach Syrien zu schicken? Wohl kaum. Aber heute scheint, wie einst Toyota verhieß, nichts mehr unmöglich. Ach, wie schön waren da noch die analogen Zeiten, als eine Depesche aus Bad Ems den deutsch-französischen Krieg auslöste. 1870. Wahnsinn funktioniert eben auch ohne Twitter.

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