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Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Sein oder Nichtsein
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18:15 09.11.2018
Hannover

Noch näher, ja, so ist es gut, noch etwas näher. War das nicht ein wundervolles Bild, das der SPD-Parteivorstand zu Beginn der Woche bot? Bundesministerinnen, Ministerpräsidenten, Vorstandsmitglieder – alle aufgereiht hinter der munteren Vorsitzenden Andrea Nahles. Und selbst der Gute-Laune-Bär der SPD, Frühmorgens-Interviewschreck Ralf Stegner, lacht in die aufgepflanzten Kameras der Fernsehanstalten. „Wir haben uns untergehakt, wir setzen auf die Kraft des Zusammenhalts“, sagt Nahles. Und weil das Sein das Bewusstsein präge, fange man eben bei sich selbst an. Wenn da nicht die blöden Umfragen wären, die die Sozialdemokratie bei kuscheligen 14 Prozent sehen. Wie kommt man da nur mit dem dialektischen Materialismus aus dem Dilemma?

Vergeblich haben wir auf dem Foto übrigens nach Linksradikalen gesucht, die der Rasputin der deutschen Nachrichtendienste, der unvergessliche Hans-Georg Maaßen, für seine Entlassung als Präsident des Bundesverfassungsschutzamtes verantwortlich macht.Wo haben sie sich denn versteckt, die Linksradikalen in der SPD? Hinter dem Willy-Brandt-Denkmal? Vermutlich in der Historischen Kommission, die Parteichefin Nahles abgeschafft hat.. Denn selbst das Rocker-Jäckchen, in das Deutschlands sexiest-minister-alive zu Vorstandssitzungen eilt, macht aus einem Saarländer noch keinen Linksradikalen. Obwohl Heiko Maas so prägnant durch die Nase spricht, dass einem schon nach Umsturz zumute sein kann...


Kein Typ zum Unterhaken für Andrea Nahles ist jedenfalls Gerhard Schröder, der diese Woche alle Gerüchte zurückwies, in ihrer Verzweiflung werde die SPD wieder zum Altkanzler greifen (Arbeitstitel: „Er ist wieder da“).  “Ich finde keinen Ortsverein, der mich vorschlägt“, witzelte Schröder auf eine entsprechende Frage. Und der Bundeskanzlerin, die bald ihren CDU-Chefinnenposten abgeben will, gab Schröder noch den treuherzigen Ratschlag: Er an ihrer Stelle würde im Bundestag die Vertrauensfrage stellen.  Ist Schröder nicht Ahnherr des Sprichworts, nach dem Ratschläge „auch Schläge“ seien? Dennoch: Hin und wieder hört man den Alten gern...

Was man von Donald Trump nicht behaupten kann, dessen Pressekonferenzen immerhin unterhaltsam sind, wenn er Journalisten als „schreckliche Menschen“ abkanzelt, die schreckliche Fragen stellten. Aber dass wir uns an Trump schon gewöhnt haben  gibt zum Ende dieser frühlingshaften Woche mitten im düsteren November schon zu denken. Ob es es daran liegt, dass die „Dunkle Erdhummel“ zum Gartentier 2018 gekürt wurde – ein Insekt, das im Treibhausanbau vor allem zur Bestäubung von Tomaten eingesetzt wird? Oder ist das „Sein“ mittlerweile so absurd geworden, dass sich das „Bewusstsein“ nur noch in absurden Hummelvergleichen verliert? Fragen über Fragen.

Umfragen gepeinigte Sozialdemokraten mögen sich damit trösten, dass etwa das Meinungsforschungsinstititut Forsa die Deutschen nicht nur fragt, wen sie denn demnächst wählen würden, sondern auch, ob sie am liebsten „schlau sein“ wollten, „reich oder doch lieber schön?“ Bei diesem Meinungstest haben übrigens die wenigsten der Befragten  „schön“ geantwortet.  Tröstlich. Schönheit wird schlicht überschätzt.

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