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Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Von Welfen und Wölfen
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21:58 07.12.2018
Michael B. Berger Quelle: HAZ
Hannover

Nicht Mensch, nicht Tier, ein Panzergrenadier, hieß es einst, als der Kanzler noch lange Unterhosen trug, die Mauer stand und auch sonst alte Gewissheiten trugen. Aber was war denn das, was sich vergangene Woche auf einem Friedhofsgarten im Landkreis Rotenburg ereignete, wenn es denn keine reale Wolfsbegegnung war? „Zwei vor Ort genommene Haarproben ergaben ‚Reh‘, auf dem Pullover wurden Katzenhaare und drei Speichelproben gefunden“, schrieb das Umweltministerium zum Ergebnis einer DNA-Probe nach einer vermeintlichen Wolfsattacke: „Bei den Speichelproben konnte bei zwei Proben ,Katze‘ und bei einer ‚Katze und Hund‘ identifiziert werden.“ Ach, wie lustig scheint doch das Landleben...

Aber schade ist es schon für den neuen Umweltminister Olaf Lies, dass er nun nicht als Landeswolfbezwinger in die Annalen Niedersachsens eingehen wird. Trug Old Shatterhand noch seinen „Bärentöter“ bei sich, muss Olaf Lies erst einmal alle Wölfe „besendern“, bevor er sie kassieren könnte. Sofern Gefahr im Verzug wäre, denn ein Wolf in der Nordheide ist rechtlich strenger geschützt als eine heilige Kuh in Südindien. Derweil kann ausgerechnet ein Grüner in Niedersachsen den Titel in Anspruch nehmen, auf legale Weise mit lethaler Wirkung einen Wolf der Wildbahn entnommen zu haben. Seitdem Lies‘ Vorgänger Stefan Stefan Wenzel den besenderten Problemwolf „Kurti“ ins Visier nahm, läuft im Umweltministerium der Streifen: „MT 6 antwortet nicht mehr.“

Von den Wölfen zu den Welfen zu kommen, ist gar nicht so schwer, weil sie im Frühmittelalter weit verbreitet waren und beide zu den eher raubtierhaften gerechnet werden können. Über das Verscherbeln von Welfenschätzen hat schon der Dichter Erich Mühsam gespottet („Ernst August mit zerfransten Nerven / langt nach den letzten Notreserven...“), doch dass die Klosterkammer sich nach dem Kauf einer Brauerei nun zum Kauf eines Schlosses entschlossen hat, verblüfft schon. Aber wer kann denn nein sagen, wenn ein Erbprinz fragt: „Haste mal nen Euro?“ Und die Klosterkammer hat dafür all‘ die schönen Renovierungkosten für die Marienburg, während aus den Augen des zuständigen Wissenschaftsministers Björn Thümler jetzt ein wenig royaler Glanz glitzert. Merke: Das Einzige, was man einem Welfen nicht abkaufen kann, ist der Schneid. Und: Eine Republik braucht eigentlich keine Schlösser.

Zu einer denkwürdigen Begegnung (nein, keine Wolfsbegegnung) ist es diese Woche auch am sogenannten Bundesstützpunkt in Hannover gekommen, wie uns Fotodokumente überliefert haben. Da sah man nämlich neben dem rührigen Landesinnenminister Boris Pistorius tatsächlich Bum-Bum-Boris, Doch, doch, wir halten die Luft an, „der niedersächsische Minister für Inneres und Sport, Boris Pistorius, hat die deutsche Tennislegende Boris Becker getroffen“, wie das Innenministerium vermeldet. Da möchte man, wenn‘s nicht zu albern wäre, doch reimen wie Mühsam: „Boris meets Boris, jetzt fehlt nur die Doris.“ Ach, manchmal ist nicht nur das Landleben schön...Einen fröhlichen 2. Advent!

Von Michael B. Berger

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