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Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Von Thüringen, dem Twittern, Blattgold
Nachrichten Politik Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Von Thüringen, dem Twittern, Blattgold
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15:59 11.01.2019
Michael B. Berger Quelle: HAZ

Ist Robert Habeck ein Ostdeutscher? „Ostdeutsche Männer fühlen sich kränker“, vermeldet das Deutsche Gesundheitsportal. Und dass ein Gen, „das nur der Mensch besitzt und das in der Großhirnrinde aktiv ist“, das Gehirn eines Frettchens vergrößern könne. Ist schon toll, was die Forschung zuwege bringt. Aber auf das Deutsche Gesundheitsportal und die Frage, ob Habeck ein Ostdeutscher sei, kommen wir auch nur, weil der Grünen-Chef in letzter Zeit einen so zerknautschten und unausgeschlafenen Ausdruck macht, nachdem er sich nach einer „schlaflosen Nacht“ dazu entschlossen hat, künftig ohne twitter und facebook auszukommen. Twitter triggere ihm wohl ein, alles aggressiver, lauter, polemischer und zugespitzter äußern zu müssen, wenn er sich in den angeblich sozialen Medien artikuliere. Dabei hat er nur gepostet, dass die Grünen alles täten, um aus Thüringen „ein offenes, freies, liberales, demokratisches Land“ zu machen. Mein Gott, damit sind die Grünen doch schon im total versöderten Bayern gescheitert…

Schnell eine forcierte Meinung geäußert und schon sitzt halb Deutschland beleidigt auf dem Sofa. Da in einigen Ländern des immer noch real existierenden deutschen Ostens Landtagswahlen anstehen, empfiehlt es sich, die Ossies vorsichtig anzufassen. Also hätte der gute Habeck sagen müssen, dass er Thüringen noch liberaler, noch demokratischer und freier machen wolle. Er hätte wissen müssen, dass die Thüringer vor allem auf dem Grill erst richtig herzhaft werden, was etwa dem oder der Braunschweiger nicht gelingt, weil man sie am besten kalt geschnitten aufs Graubrot zwingt (die letzten Sätze sind dem Wunsch vieler Leserinnen aus dem Nordhannoverschen geschuldet, doch endlich wieder einmal etwas gegen Braunschweig zu schreiben.) Mal sehn, wann Habeck wieder reumütig zu facebook zurückkommt…

Aber was wären Politik, Kunst, Gesellschaft und das Metzgerhandwerk ohne die Folgen einer „schlaflosen Nacht“, die man getrost zur Genreliteratur rechnen darf und die Forscher im wesentlichen als Folge von Dopaminmangel im Hirn zurückführen. Denn fehlt das Glückshormon, wird der Patient unruhig, wirft sich im Bett hin und her, träumt von der Befreiung Thüringens oder der Demokratisierung Bayerns. Wie General Patton, als er 1945 mit der 3. US-Armee den Rhein bei Nierstein überschritt. Aber wir schweifen ab. Wo waren wir stehen geblieben? Bei Nierstein. Quatsch, bei der schlaflosen Nacht. Keine schlaflosen Nächte dürften die Führer der CSU mehr haben, seitdem sie sich im Kloster Seeon so wunderbar mit der neuen CDU-Vorsitzenden AKK verbandelt haben. Da jubilierte sogar die sonst so nüchterne FAZ: „Heiße Herzen im Schneegestöber“. Dass das Blatt darunter AKK und den wunderbaren A. Dobrindt abbildeten, ließ den Blutdruck langsam sinken.

Und sonst? Erlebten wir eine Woche unerhörter aber letztlich unbedeutender Begebenheiten. Franck Ribery verzehrte ein mit Blattgold verziertes Riesensteak, Olaf Scholz rief sich selbst zum Kanzlerkandidaten aus, und das Deutsche Gesundheitsportal vermeldete, dass langsam essen die Entstehung von Übergewicht vermeide. Wer hätte das gedacht?

Von Michael B. Berger

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