Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Vom Kannibalismus und der SPD

Aus meinem Papierkorb Vom Kannibalismus und der SPD

Niedersachsenredakteur Michael B. Berger blickt am Ende jeder Woche in seinen (virtuellen) Papierkorb – und erzählt die Nachrichten, die liegen geblieben sind, aber doch Beachtung finden sollten. Heute: Vom Kannibalismus und der SPD.

Voriger Artikel
Von Jogis Nebennieren und Leitplanken
Nächster Artikel
Nahbegegnung mit dem Schweinehund
Quelle: HAZ

Da sage doch keiner, es gebe keine Fortschritte in der Entwicklung der Menschheit. 45 000 Jahre alte Knochen aus einer Höhle in Belgien sollen nach einer Meldung dieser Woche beweisen, dass die Neandertaler in Nordeuropa ihresgleichen auf dem Teller bevorzugten. Man habe anhand von Skelettüberresten mithilfe der Radiokarbonmethode herausgefunden, dass die Neandertaler Kannibalen waren und Knochen ihrer Mitmenschen auch zu Werkzeugen veredelt hätten, die in gewisser Weise Steinwerkzeugen ähnelten. Man sieht: Auch wenn unsere Uraltvordern im Hinblick auf ihre Essgewohnheiten eher zu den gröberen Naturen gerechnet werden könnten, war zumindest ihnen die Wegwerfgesellschaft doch ziemlich fremd.

Auf den Neandertaler kommen wir jetzt nur, weil wir zum Zwecke der Regeneration einige Wochen auf der Insel des Brexit verbracht haben und Gerüchte, nach denen Graf Dracula zum Chef des Blutspendedienstes des Internationalen Roten Kreuzes ernannt worden sei, nicht für wahr hielten, während für die Meldung, dass Boris Johnson der künftige britische Außenminister sein soll, bereits die ersten Bestätigungen eingetrudelt sind. Der Mann soll ja trinkfest sein und viele Sprachen sprechen, was aber auch diejenigen für sich reklamierten, die um den Turm von Babel herumirrten, bis der Turm zusammenbrach. Aber Boris Johnson Außenminister? Ein Beispiel für den doch so trockenen britischen Humor, den wir in Good Old Europe keineswegs vermissen wollen.

Als Zeichen eher britischen Humors werten wir auch die Tatsache, dass die Stadt Hannover das Schützenfest als Weltkulturerbe anmelden will. „Gehört Ballerkalle bald zur Weltkultur?“, titelte eine befreundete Zeitung und brachte damit auf den Punkt, was die alten Lateiner als Contradictio in adjecto kennzeichneten, als einen Widerspruch in sich. Zwar spricht der Oberbürgermeister von Hannover nicht so viele Sprachen wie der ehemalige Oberbürgermeister von London, aber dafür ist Stefan Schostok nicht ganz so vernagelt wie Boris Johnson, was zeigt, dass man nicht automatisch in einer Weltstadt zum Weltklassemann heranreift.

Jetzt den Übergang zu Sigmar Gabriel zu schaffen ist eine echte Herausforderung, zumal Gabriel auch nicht so viele Sprachen wie Johnson spricht, allerdings über ein nicht zu unterschätzendes Humorpotenzial verfügt. Gabriel hat jedenfalls mehr Humorreserven als der Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz, auch „Scholzomat“ genannt. Ihn wollen einige SPDler nach möglicherweise schlecht ausgehenden Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg auf den Schild heben. Vermutlich werden sich irgendwann die Paläontologen an die Frage heranwagen, wie es zum Niedergang der SPD kam, die doch früher eine eher fortschrittliche und solidarische Partei gewesen sein soll. Mag sein, dass sie dann in irgendwelchen Kampa- oder Barackenresten entdecken, dass auch unter den Sozialdemokraten nicht wenige Funktionäre dem Kannibalismus huldigten.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb

Die Wahl ist entschieden: Donald Trump wird der 45. Präsident der USA. Auf unserer Themenseite finden Sie aktuelle Berichte, Analysen und Hintergrundinformationen zur Wahl des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. mehr

CDU-Parteitag in Hameln

Zum Landesparteitag der niedersächsischen CDU in Hameln haben sich rund 450 Delegierte versammelt, um über einen Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2018 zu entscheiden. Sie nominierten einstimmig Bernd Althusmann.

Die Karikatur des Tages

So sehen unsere Karikaturisten die Welt.