Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Vom bösen Schein des Ekels

Aus meinem Papierkorb Vom bösen Schein des Ekels

Niedersachsenredakteur Michael B. Berger blickt am Ende jeder Woche in seinen (virtuellen) Papierkorb – und erzählt die Nachrichten, die liegen geblieben sind, aber doch Beachtung finden sollten. Heute: Vom Schein des schönen Ekels.

Voriger Artikel
Von Spargelbotschaftern und Hexen im Anflug
Nächster Artikel
Von Muezzin-Rufen und deutschem Spargel

Ach, das Leben ist doch voller wunderbarer Rätsel. An unseren Universitäten sollen sich immer mehr Menschen befinden, die „Scheinstudenten“ heißen, obwohl sie an der Universität gar keine Scheine machen, also überhaupt keine Seminare absolvieren, was das Leben sehr viel angenehmer erscheinen lässt, denn zu viel Wissen kann auch belasten.

„Mehr Sein als Schein“, titelte die Deutsche Presse-Agentur über diese Studierenden, die die Leichtigkeit des Seins ohne Schein kennen- und lieben gelernt haben und den Krankenkassen mehr Schein als Sein vorgaukeln, weil sie durch die Immatrikulation an einer Hochschule in den Genuss günstigster Verkehrs- und Krankenkassentarife gelangen.

Doch ein staatliches Vorgehen gegen diese „Phantomstudenten“ sei schwierig, heißt es, weil man doch gar nicht wisse, wie viele es davon tatsächlich gebe. Und die Firmen schätzen die Mehr-Sein-als-Schein-Studierenden vor allem deshalb besonders, weil sie als Praktikanten nichts kosteten und sich als „Scheinstudenten“ von einem Praktikum zum nächsten schaukelten. So spielt halt eins ins andere.

Dass Schein und Sein nicht immer dasselbe sind, erleben wir derzeit in Hameln, das immerhin einen Ruf als Rattenfängerstadt zu verteidigen hat, auch wenn man heute die Rattenfänger nicht mehr ohne Weiteres erkennt, weil sie in vielen Fällen eben nicht mit spitzem Federhut und Flöte vorbeikommen, sondern gänzlich unmusikalisch mit Schlips, Anzug, Hipsterbrille und Vollglatze zum Beispiel. Aber wir schweifen ab. In Polizeikreisen gilt die Kreisstadt Hameln spätestens seit dem Besuch des amerikanischen Präsidenten Barack Obama als Blut-Schweiß-und-Tränen-Stadt beziehungsweise als Schauort schauerlicher Sachen, die der Hamelner Landrat, besorgt um den Ruf seiner Vorzeigekasernen, nun gerichtsmedizinisch untersuchen ließ. Man weiß nicht recht, ob man über den Streit über die angeblichen „Ekel“-Kasernen nun lachen oder doch lieber weinen sollte. Nur eines ist gewiss: Nicht jedes auf Facebook gepostete Foto muss echt sein, oft leitet die Bildnebenschrift eben auf eine falsche Fährte. Und: In jeder Polizei-Hundertschaft steckt mindestens ein sensibles Kerlchen.

Wie „versifft“ und „verseucht“ unsere ganze politische Landschaft ist, hört man nicht nur in Brandreden auf Parteitagen reaktionärer Gruppierungen, sondern kann man auch an scheinbar nebensächlichen Begebenheiten feststellen. So verschickte jüngst die Pressestelle der rot-grünen Landesregierung Hinweise auf den Obama-Besuch in Hannover unter der Bezeichnung „Kressestelle“ - ein Hinweis auf die Tatsache, dass vegane Ernährung für wichtig erachtet wird - oder aber eine Erinnerung an die legendäre Bauernregel des legendären Göttinger Poeten Reinhard Umbach. Der hatte gedichtet: „Kriegsangst, Angstschweiß, Achselnässe? Einfach Kresse in die Fresse!“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb

Die Wahl ist entschieden: Donald Trump wird der 45. Präsident der USA. Auf unserer Themenseite finden Sie aktuelle Berichte, Analysen und Hintergrundinformationen zur Wahl des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. mehr

CDU-Parteitag in Hameln

Zum Landesparteitag der niedersächsischen CDU in Hameln haben sich rund 450 Delegierte versammelt, um über einen Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2018 zu entscheiden. Sie nominierten einstimmig Bernd Althusmann.

Die Karikatur des Tages

So sehen unsere Karikaturisten die Welt.