Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Vom bösen Schein des Ekels
Nachrichten Politik Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Vom bösen Schein des Ekels
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
02:15 09.05.2016
Von Michael B. Berger
Anzeige
Vom Schein des schönen Ekels
Papierkorb.mp4 (1,5 MB)

Ach, das Leben ist doch voller wunderbarer Rätsel. An unseren Universitäten sollen sich immer mehr Menschen befinden, die „Scheinstudenten“ heißen, obwohl sie an der Universität gar keine Scheine machen, also überhaupt keine Seminare absolvieren, was das Leben sehr viel angenehmer erscheinen lässt, denn zu viel Wissen kann auch belasten.

„Mehr Sein als Schein“, titelte die Deutsche Presse-Agentur über diese Studierenden, die die Leichtigkeit des Seins ohne Schein kennen- und lieben gelernt haben und den Krankenkassen mehr Schein als Sein vorgaukeln, weil sie durch die Immatrikulation an einer Hochschule in den Genuss günstigster Verkehrs- und Krankenkassentarife gelangen.

Doch ein staatliches Vorgehen gegen diese „Phantomstudenten“ sei schwierig, heißt es, weil man doch gar nicht wisse, wie viele es davon tatsächlich gebe. Und die Firmen schätzen die Mehr-Sein-als-Schein-Studierenden vor allem deshalb besonders, weil sie als Praktikanten nichts kosteten und sich als „Scheinstudenten“ von einem Praktikum zum nächsten schaukelten. So spielt halt eins ins andere.

Dass Schein und Sein nicht immer dasselbe sind, erleben wir derzeit in Hameln, das immerhin einen Ruf als Rattenfängerstadt zu verteidigen hat, auch wenn man heute die Rattenfänger nicht mehr ohne Weiteres erkennt, weil sie in vielen Fällen eben nicht mit spitzem Federhut und Flöte vorbeikommen, sondern gänzlich unmusikalisch mit Schlips, Anzug, Hipsterbrille und Vollglatze zum Beispiel. Aber wir schweifen ab. In Polizeikreisen gilt die Kreisstadt Hameln spätestens seit dem Besuch des amerikanischen Präsidenten Barack Obama als Blut-Schweiß-und-Tränen-Stadt beziehungsweise als Schauort schauerlicher Sachen, die der Hamelner Landrat, besorgt um den Ruf seiner Vorzeigekasernen, nun gerichtsmedizinisch untersuchen ließ. Man weiß nicht recht, ob man über den Streit über die angeblichen „Ekel“-Kasernen nun lachen oder doch lieber weinen sollte. Nur eines ist gewiss: Nicht jedes auf Facebook gepostete Foto muss echt sein, oft leitet die Bildnebenschrift eben auf eine falsche Fährte. Und: In jeder Polizei-Hundertschaft steckt mindestens ein sensibles Kerlchen.

Wie „versifft“ und „verseucht“ unsere ganze politische Landschaft ist, hört man nicht nur in Brandreden auf Parteitagen reaktionärer Gruppierungen, sondern kann man auch an scheinbar nebensächlichen Begebenheiten feststellen. So verschickte jüngst die Pressestelle der rot-grünen Landesregierung Hinweise auf den Obama-Besuch in Hannover unter der Bezeichnung „Kressestelle“ - ein Hinweis auf die Tatsache, dass vegane Ernährung für wichtig erachtet wird - oder aber eine Erinnerung an die legendäre Bauernregel des legendären Göttinger Poeten Reinhard Umbach. Der hatte gedichtet: „Kriegsangst, Angstschweiß, Achselnässe? Einfach Kresse in die Fresse!“

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Niedersachsen-Redakteur Michael B. Berger blickt am Ende jeder Woche in seinen Papierkorb – und erzählt die Nachrichten, die liegen geblieben sind, aber doch Beachtung finden sollten. Heute: Der neue Spargelbotschafter, ein immobilisierter Wolf und traditionelle Walpurgisfeiern.

Michael B. Berger 02.05.2016

Niedersachsen-Redakteur Michael B. Berger blickt am Ende jeder Woche in seinen Papierkorb – und erzählt die Nachrichten, die liegen geblieben sind, aber doch Beachtung finden sollten. Heute: über den Obama-Besuch, Stephan Weils Besuch im Iran und den Barte des Propheten.

Michael B. Berger 22.04.2016

Niedersachsen-Redakteur Michael B. Berger blickt am Ende jeder Woche in seinen Papierkorb – und erzählt die Nachrichten, die liegen geblieben sind, aber doch Beachtung finden sollten. Heute: über Gerechtigkeit in der Wüste, Helmut Kohls Geliebte und das "Schattenreich" der Offshore-Firmen.

Michael B. Berger 15.04.2016
Anzeige