Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Vom falschen Zapfen und Trump

Glosse "Aus meinem Papierkorb" Vom falschen Zapfen und Trump

Niedersachsenredakteur Michael B. Berger blickt am Ende jeder Woche in seinen (virtuellen) Papierkorb – und erzählt die Nachrichten, die liegen geblieben sind, aber doch Beachtung finden sollten. Diesmal: Von falschen Zapfen und Trump.

Voriger Artikel
Von Sachsen und Schildläusen
Nächster Artikel
Von Gruselclowns und Impulslärm
Quelle: HAZ

Wenn Politiker in Niedersachsen sagen wollen, dass der Gegner dem Publikum etwas vormachen oder den sprichwörtlichen Bären aufbinden will, fällt gerne der Satz: „Aber ich lasse mich nicht hinter die Fichte führen.“ Wir haben seit Jahren gerätselt, was hinter dem nicht nur in finsteren Harzregionen beliebten Spruch steckt, der regional seit dem 16. Jahrhundert belegt ist. Vermutlich muss man sich kräftig einen hinter die Binde gegossen haben, um anschließend hinter die Fichte geführt zu werden. Wobei das „hinter die Binde gießen“ nichts mit über Krawatten verschütteten Lüttjen Lagen in Hannover zu tun haben soll, sondern mit Kroaten, die im 16. Jahrhundert mit den Habsburgern Wien gegen die Türken verteidigten. Die sollen nicht nur kräftig gesoffen, sondern auch als Uniformzeichen eine Art Halsbinde getragen haben.

Doch ich schweife ab. Hinter die Fichte wird man in Niedersachsen deshalb wohl so gern geführt, weil die Fichte zum „ Baum des Jahres 2017“ gekürt worden ist. Doch, doch, ausgerechnet dieser anspruchslose Nadelbaum, der uns in trostlosen Monokulturen ganze Sommertage verschatten kann, verdient nach Ansicht von Experten mehr Beachtung. Die Fichte habe einen geringen Nährstoffanspruch, wachse schnell und liebe es kühl und feucht, schwärmen die Landesforsten. „Typisch sind ihr gerader Stamm und der etagenweise Aufbau der Äste.“ Und im September fielen ihre länglichen braunen Zapfen zu Boden, heißt es weiter. Und nun kommt der Knüller: „Bei den gemeinhin bekannten Tannenzapfen, die am Boden zu finden sind, handelt es sich um Fichtenzapfen, denn Tannen werfen ihre Zapfen nicht als Ganzes ab.“ Nun kommst Du: Da redet man ein halbes Leben vom Tannenzapfen, dabei ist es der Zapfen der Fichte.

Aber die Dinge sind nicht immer so wie sie erscheinen. Uns ist Bob Dylan noch nie als Großschriftsteller  aufgefallen, aber nun kriegt er den Nobelpreis, den Barack Obama bekommen hat, als er noch gar keine Gelegenheit hatte als Friedensstifter aufzutreten, sondern gerade eben zum amerikanischen Präsidenten gewählt wurde. Aber die Schweden haben offenbar ihre ganz eigene Sicht der Dinge. Und heute ist man über jeden Tag froh, an dem Obama noch US-Präsident ist, während dieser Trump seine Konkurrentin hinter schwedische Gardinen schicken will. Überhaupt: Trump. Ist das wirklich noch Realität oder eine gewaltige Laune des Schöpfers, der eine gottgläubige Nation auf die Probe stellen will? Im Vergleich zu Trumps Exzessen wirkt die Landespolitik, in der es gewiss auch Sexismus gibt, anheimelnd provinziell. Auch weil man so wenig von „Duschkabinengesprächen“ hört. Nur unter hannoverschen Jusos, so lasen wir, geht's mitunter trumpmäßig zu.

Aber vermutlich hängt wieder einmal, wie schon Heraklit sagte, alles mit allem zusammen, und wurde Dylan nur zum Literaturnobelpreisträger gewählt, weil er so gut tanzen kann wie Günther Grass und selten im Smoking zu sehen ist. Und weil in dieser Woche der „Tag des Eies“ gefeiert wurde, von denen der Durchschnittsbürger 233 pro Jahr verzehrt. Warum sollte uns das Nobelkomitee nicht auch einmal ein Ei ins Nest legen?

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb

Die Wahl ist entschieden: Donald Trump wird der 45. Präsident der USA. Auf unserer Themenseite finden Sie aktuelle Berichte, Analysen und Hintergrundinformationen zur Wahl des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. mehr

CDU-Parteitag in Hameln

Zum Landesparteitag der niedersächsischen CDU in Hameln haben sich rund 450 Delegierte versammelt, um über einen Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2018 zu entscheiden. Sie nominierten einstimmig Bernd Althusmann.

Die Karikatur des Tages

So sehen unsere Karikaturisten die Welt.